Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050398
Der Aflect in der biblischen Geschichte. 
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ist die des Caravaggio (Pal. Brignole zu Genua) immer eine der be-a 
deutendsten Leistungen des genieinern Naturalismus.  Das Abend- 
mahl fällt gleich unwürdig aus, ob es als Genrebild oder als Aifect- 
scene behandelt werde. Ersteres ist z. B. der Fall in dem grossenb 
Bilde des Aless. Allori (Acad. zu Florenz), welches eine ganz 
schön gemalte, lebendige „Scene nach Tische" heissen kann. Bei 
Domenico Piola (S. Stefano in Genua, Anbau links) fehlt es nichtc 
an Pathos aller Art, allein das „unus vestrum" geht unter in einem 
gesuchten Lichtelfect und in den Zuthaten (Bettler, Aufwärter, Kin- 
der, auch ein niedersehwcbender Reigen von Putten).  Im Chor 
von S. Martino zu Neapel sind ausser der grossen Geburt Christi von 
Guido vier colossale Bilder dieser Gattung zu finden, deren zum Theild 
berühmte Urheber doch hier nicht auf ihrer rechten Höhe erscheinen: 
Ribera, die Communion der Apostel;  Caracciolo, die Fusswa- 
schung;  Stanzioni, figurenreiches Abendmahl;  Erben des 
Paolo Veronese, Einsetzung der Eucharistie. (So Galanti, dem 
ich beim Erlöschen meiner Erinnerungen folgen muss.)  Von den Pas- 
sionsscenen (abgesehen von einzelnen Figuren, wie das Eccehomo, der 
Cruciiixus) ist es hauptsächlich der Moment des Affectes im vorzugs- 
weisen Sinne, welcher nun tausendmal dargestellt wird: die Pieta, 
der vom Kreuz abgenommene Leichnam, umgeben von Maria, Johannes, 
Magdalena und Andern. Die Vorbilder Tizian's und Coreggids be- 
rechtigten und reizten hier zur höchsten Steigerung des Ausdruckes. 
Wie bei der Scene unter dem Kreuze, so wird nun auch hier, dem 
Wirklichkeitsprincip gemäss, die Madonna fast immer ohnmächtig, d. h. 
der sittliche Inhalt muss mit einem pathologischen theilen. Wo die- 
ser Zug ausgeschlossen ist, wie z. B. in den Bildern, welche nur die 
Madonna mit dem Leichnam auf den Knieen darstellen (Lod. Ca-e 
racci: im Pal. Corsini zu Rom; Annibale: im Pal. Doria und imf 
Museum von Neapel), da ist auch der Eindruck viel reiner.  Dieg 
bedeutendste jener vollständigem Darstellungen ist wohl die schon 
Wegen ihrer Anordnung (S. 1025) erwähnte Mad. della Pieta des h 
Guido (Pinacoteca von Bologna); leider hatte er den Muth nicht, 
diese Scene, wie Rafael seine 'l'ransiiguration in einen bestimmten 
obern, auf einen zweiten Augenpunkt berechneten Raum zu versetzen 
(etwa auf einen Hügel), sondern brachte sie als auf einer über den knieen-
        

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