Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050357
Der Aifect im Streit mit der Composition. 
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gehören die beiden Riesenbilder des L o d. C a ra c ci in der Gal. von Parma a 
(ehemals Seitenbilder einer Assunta), hauptsächlich die Grab tragung 
der Maria, wo der Ritus, beherrscht von dem meisterlich verkürzten 
Leichnam, das subjective Pathos vollkommen zuriickdriingt. Auch D 0- 
menichino, dessen Composition so überaus ungleich ist, hat in seinem 
„Tod der heil. Oäcilia" (S. Luigi in Rom, zweite Cap. rechts)b 
ein herrliches Beispiel strenger und doch schön aufgehobener Symme- 
trie geliefert. Von den beiden Bildern der letzten Communion 
des heil. Hieronymus (Agostino Caracci: Pinae. von Bologna; -c 
Domenichino: Gal. des Vaticaus) hat dasjenige des Domenichino schond 
darin einen Hauptvorzug, dass die beiden Gruppen (die des Priesters und 
die des Heiligen) dem Totalwerth nach wie auf der Goldwage gegen 
einander abgewogen sind, sodass Bewegung und Ruhe, Ornat und freie 
Gewandung, Geben und Empfangen etc. sich gegenseitig aufheben; 
ausserdem ist die Gestalt des Heiligen in die Pietät und Andacht der 
Seinigen wie gebettet und doch für den Anblick ganz freigehalten. 
Der grösste Verehrer Dis , Nie. Poussin, geht dann wieder zu weit, 
sodass seine Gruppen oft absichtlich construirt erscheinen. (Ruhe aufe 
der Flucht, Acad. von Venedig.)  Bisweilen überraschen die M ai- 
län d e r, so verwildert sonst ihre Cornposition ist, durch eine 
gross gefühlte symmetrische Anordnung. Man sehe in der Brera dasf 
grosse Bild des Cerano-Crespi (Madonna del rosario); im Pal. Brig- 
nole zu Genua den von Engeln gen Himmel getragenen S. Carlo,g 
von einem der Prooaccini, ein ergreifendes Bild, so naturalistisch die 
Anstrengung der Engel gegeben sein mag.  Sassoferrato befolgte 
in seiner schönen Madonna del rosario (S. Sabine. zu Rom, CapJx 
rechts vom Chor) mit vollem Bewusstsein die alte strenge Anordnung. 
WVeit die Meisten aber erkennen die höhern Liniengesetze nur in 
beschränktem Masse an, die Naturalisteu fast gar nicht. Selbst den 
besten Bolognesen ist eine prächtige Actfigur (womöglich kunstreich 
verkürzt) im Vordergrunde bisweilen so viel werth als der ganze üb- 
rige Inhalt des Bildes; einige suchen dergleichen geflissentlich auf 
(S ehidone's S. Sebastian, dessen Wunden von Zigeunern besehauti 
Werden, im Museum von Neapel); die Naturalisten begehren vollends 
nichts als den leidenschaftlichen Moment. OaravaggilVS Grab-k 
legung (Gal. des Vaticans), immer eines der Wichtigsten und gründ- 
B. Civernne. 65
        

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