Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050345
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Moderne Malerei. 
In allen Aufgaben idealer Art ist diese moderne Malerei von den 
höchsten Zielen ausgeschlossen, weil sie zu unmittelbar darstellen 
und überzeugen will, während sie doch, als Kind einer späten Cultur- 
epoche, nicht mehr in der blossen Unmittelbarkeit (Naivetiit) erhaben 
sein kann. Ihr Naturalismus möchte alles Seiende und Gesehehende 
als solches handgreiflich machen; er betrachtet diess als Vorbedingung 
jeglicher Wirkung, ohne auf den innern Sinn des Beschauers zu rech- 
nen, Welcher Anregungen ganz anderer Art zu beachten gewohnt ist. 
Schon die Wirklichkeit der Bewegung im Raum, wie man sie bei 
Coreggio vorfand und adoptirte, machte die Kunst gleichgültig gegen 
alle höhere Anordnung, gegen das Einfach-Grosse im Bau und Gegen- 
satz der Gruppen und Einzelgestalten. Am meisten Architektonisches 
hat vermöge seines Schönheitssinnes Guido Reni gerettet. Seine 
agrandiose Madonna della Pietät (Pinac. von Bologna) verdankt dem 
symmetrischen Bau der untern wie der obern Gruppe ihre gewaltig- 
ste Wirkung; ähnlich verhält es sich (ebenda) mit dem Bilde des Ge- 
kreuzigten und seiner Angehörigen; die edle und grossartige Be- 
handlung, der schöne Ausdruck allein würden nicht genügen, um 
diesen Werken ihre ganz ausnahmsweise Stellung zu sichern. (Ein 
handerer Crucifixus Guidois, ohne die Angehörigen, aber ebenfalls von 
erster Bedeutung, in der Gal. von Modena.) Die Assunta in München, 
c die Dreieinigkeit auf dem Hochaltar von S. Trinita de, pellegrini in 
Rom geben hiezu weitere Belege; selbst das flüchtige Werk der ma- 
dniera seconda: die Caritas (Pinac. von Bologna).  Lodovico Ca- 
e racci's Tlransiiguration (ebenda) und Himmelfahrt Christi (Hochaltar 
fvon S. Oristina zu Bologna) werden nur durch dieses architektonische 
Element recht geniessbar; Annibaleis Madonna in einer Nische, an 
deren Postament Johannes der Ev. und Catharina lehnen, verdankt 
ebendemselben (nebst der energischen Malerei) eine grosse Wirkung 
trotz der allgemeinen und wenig edlen Formen; denselben Lebensge- 
ghalt zeigt das ähnliche grosse Bild des Guercino im Pal. Brignole 
zu Genua. (Derselbe Guercino geht in einem schön gemalten Bilde  
h S. Vincenzo zu Modena, zweite Cap. rechts  an dem Richtigen vor- 
bei.) Ja auch die in Bewegung gerathene Symmetrie, das Processio- 
nelle, kurz Alles, was das in dieser Schule so oft zur Confusion führende 
Pathos dämpft, kann hier von höchst erwünschter Wirkung sein ; hieher
        

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