Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050259
Das Colorit. 
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tem für die grösste Farbenleistnng des Annibale. Mit einer ganza 
meisterhaften Freiheit hat er unter dem Einfluss von Michelangelos 
Gewölbemalereien der Sistina (S. 872) seine Darstellung einzutheilen 
gewusst in Historien und decorirende Bestandtheile; letztere theils 
steinfarbene Atlanten, theils jene trefflichen sitzenden Aktfiguren, theils 
Putten, Masken, Fruehtschniire , bronzefarhene Medaillons etc. Nur 
bei einer solchen Abstufung nach Gegenständen war die grosse har- 
monische Farbenwirkung zu erzielen, welche das Ganze trotz einzelner 
roherer Partien hervorbringt. Alle bessern Maler des XVII. Jahrh. 
haben hier für ähnliche Aufgaben gelernt; die geringem eopirten we- 
nigstens. In Bologna hatten die Caracci z. B. in den Fresken des PaLb 
Magnani (Fries des grossen Saales) einfachere, aber in ihrer Art. nicht 
minder treffliche decorirende Figuren angebracht (sitzende steinfarbene  
Atlanten, geneckt von natnrfarbenen Putten, begleitet von je 2 bronze- 
farbenen Nebenfiguren halber Grösse); Arbeiten welche in Styl und 
Colorit viel treiflieher sind als die Historien, denen sie zur Einfassung 
dienen. Noch die spätesten Nachfolger brachten bisweilen in dieser 
Gattung Ausgezeichnetes hervor, wie z. B. CignanVs berühmte acht 
Putten, je zwei mit einem Medaillen, über den Thüren im Hauptschiffc 
von S. Micehele in bosco. Selbst den blossen Decoratoren (Colonna, 
in S. Bartoloxnmeo a porta Ravegnana, und in S. Domenico, Cap. deld 
rosario, links;  Franceschini, in Corpus Domini;  Canuti, in S. e 
Micchele in bosco, Zimmer des Legaten etc.) geben solche Vorbilderf 
bisweilen eine Haltung die andern Schulen weniger eigen ist.  Lei- 
der sind die vielleicht bcstcolorirten Fresken des Lodovico und seinerg 
Schule, in der achtseitigen Halle welche einen kleinen Hof die- 
ses Klosters umgiebt, auf klägliche Weise zu Grunde gegangen; man 
kann die Überreste ohne Schmerz nicht ansehen. (Die Compositionen, 
zum Theil ebenfalls sehr bedeutend, sind durch Stiche bekannt.) 
Dornenichino ist in der Farbe sehr ungleich; von seinen Fres- 
ken möchten in dieser Beziehung wohl diejenigen in S. Andrea della. h 
Valle zu Rom, auch sonst Hauptwerke, den Vorzug haben (die Pen- 
dentifs mit den Evangelisten; das Chorgewölbe mit den Geschichten 
des Andreas und allegor. Figuren;  ihr Verdienst wird am besten 
klar durch den Vergleich mit den nntern Malereien der Chorwände, 
vom Calabrese).
        

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