Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050220
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Moderne Malerei. 
sehen Bewegungsmotiven ist, so fehlt ihr doch im Einzelnen das 
aSchönlebendige.  A1bani's mythologische Fresken in einem Saal 
des Pal. Verospi (jetzt Torlonia, neben Pal. Ohigi) in Rom, der be- 
deutendste Nachklang der farnesischen Galerie, haben im Detail viel 
Anmuthiges, aber dasselbe Allgemeine. 
Wie verschieden ist Guido Reni nicht nur je nach der Lebens- 
zeit, sondern bisweilen in einem und demselben Werke. Von allen 
modernen Malern nähert er sich bisweilen am Meisten der hohen und 
bfreien Schönheit und seine Aurora (Casino des Pal. Rospigliosi) ist 
wohl Alles in Allem gerechnet das vollkommenste Gemälde dieser 
beiden letzten Jahrhunderte; allein die Horen sind in. der Bildung von 
höchst ungleichem Werthe und mit sammt dem Apoll jener einzigen 
wunderbaren Gestalt der Morgengöttin nicht zu vergleichen. Der be- 
crühmte S. Michael in der Coneezione zu Rom (1. Cap. r.) bleibt in 
Charakter und Stellung unendlich tief unter Rafaels Bild (Louvre). 
In den weiblichen Köpfen hat sich Guido sehr oft nach Antiken, na- 
mentlich nach den Niobiden gerichtet, in den weiblichen Körpern aber 
nicht selten einer buhlerischen Üppigkeit gehuldigt: (Man sehe die 
dHände seiner Cleopatra im Pal. Pitti, oder die weiblichen Charaktere 
in dem Bilde des Elieser, ebenda.)  Auch Domenichino, mit 
seinem grosseu Schönheitssinn, hat sich jener bolognesischen Formen- 
allgemeinheit nicht entziehen können. Er ist am ehesten frei davon 
ein den beiden herrlichen Wandfresken der Oäciliencapelle (die 2. r.) 
in S. Luigi de'Francesi zu Rom, auch in mehrern der Frescohistorien 
{zu Grottaferrata (Cap. des heil. Nilus).  In seinen Engeln bleibt er 
sehr sichtbar von Coreggio abhängig, wie man z. B. aus dem grossen 
gBilde der Brera zu Mailand (Madonna mit Heiligen) sieht.  Bei 
Guercino muss man einige köstliche Gestalten der edelsten Bildung 
(die ihm zu Gebote stand) ausscheiden von den Schöpfungen des ener- 
hgischen Naturalisten; so das Bild der Hagar (Brera zu Mailand), die 
iVermählung der heil. Catharina (Gal. zu Modena), auch die Cleopatra 
k(Pal. Brignole zu Genua).  Sassoferrato, stets gewissenhaft, er- 
scheint auch in diesen Beziehungen von Rafael inspirirt, doch nicht 
abhängig. 
Bei Caravaggio und den Neapolitanern steht Zeichnung und 
Modellirung durchgängig um eine beträchtliche Stufe tiefer, da. sie
        

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