Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050211
Die Formenblldung im Einzelnen. 
1011 
Die Niederländer, Deutschen, Spanier und Franzosen 1), von wel- 
chen Italien 'vie1e und zum Theil bedeutende Werke besitzt, werden 
im Folgenden wonöthig an der betreffenden Stelle mit genannt werden. 
Innerhalb der Malerei zweier Jahrhunderte (1580 bis um 1780) 
giebt es natürlich sehr grosse Unterschiede der Richtung, um der so 
unendlich verschiedenen Begabung der Einzelnen nicht zu gedenken. 
Ehe von dem Gemeinsamen die Rede sein darf, welches die ganze 
grosse Periode charakterisirt, muss zunächst auf die Unterschiede in 
Zeichnung, Formenauffassung und Oolorit hingedeutet werden. 
Die bolognesische Schule begann als Reaction der Gründlichkeit 
gegenüber vom Manierismus, als Selbsterwerb gegenüber vom einsei- 
tigen Entlehnen. Ihre Zeichnungsstudicn waren sehr bedeutend; bei 
Annibale Caracci findet man aüsserdem ein vielseitiges Interesse für 
alles Charakteristische, wie er denn eine Anzahl von Genretiguren in 
Lebensgrösse gemalt hat. (Pal. Colonna in Rom: der Linsenesserß 
Uflizien: der Mann mit dem Affen; eine grosse Reihe von Genreiigurenb 
in Kupferstichen etc.) Gleichwohl begnügt sich die Schule bald mit 
einer gewissen Allgemeinheit der Körperbildnng und der Gewandun- 
gen, und zwar ist derßurchschnitt, der sich dabei ergiebt, weder ein 
ganz schöner noch ein hoher; er ist abstrahirt von Coreggio nur ohne 
das unerreichbare Lebensgefühl, auch von dem üppig schweren Paolo 
Veronese, nur ohne dessen Alles versöhnende Farbe. Den umständ- 
lichsten Beleg gewähren die Fresken der Galerie im Pal. Farnese zuv 
Rom, von Annib ale und seinen Schülern. Bei wie vielen dieser 
Junonen, Aphroditen, Dianen u. s. w. würde man wünschen, dass sie 
lebendig Würden? Selbst die höchst vortrefflichen sitzenden Aktüguren 
sind doch von keiner hohen Bildung. S0 fruchtbar die Schule an fri- 
1) Kuh en s (1577-1640); Van D yck (1598-1641); Re mbr a n d t (1606 biS 
1665); II 0 n H! 0 1' St (1592 -1_662); E l z hc i me r (1574-1620); 1'011 der 
Fam. Breughel bes. Jan, der sog. S a m me t h r e u g h el (1568-1625); P a"! 
Bril (1554-1626); eine grosse Anzahl niederländischer Genremülß? fast m" 
in den Uflizien repräsentirt.  Velasquez (1599-1660); Mllrillo (1613 
bis 1682).  Nic. Poussin (1594-1665); Moyso Valenlin (1600 bis 
1632). Andere bei Gelegenheit zu nennen. 45k 
6
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.