Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050146
1004 
Moderne Malerei. 
Naturalismus und Eklekticismus. 
dieser modernen Kunst hervorgehoben: der Naturalismus in den 
Formen sowohl als in der ganzen Auffassung des Geschehenden (Wirk- 
lichkeit) und die Anwendung des Affectes um jeden Preis. Auf 
diesen ihren geistigen Inhalt hin werden wir im Folgenden die Ma- 
lerei von den Caracci bis auf Mengs und Batoni zu prüfen haben und 
zwar als ein - wenn auch vielgestaltiges  Ganzes. Wo die Kunst 
so in die Breite geht wie hier, wäre eine Einzelcharakteristik der Ma- 
ler die Sache eines umfangreichen Buches; wir müssen uns damit be- 
gnügen, die wichtigem unter den Tausenden in einer vorläufigen Über- 
sieht zu nennen. Nicht eine Anleitung zur speciellen Kennerschaft, 
sondern die Feststellung anregender Gesichtspunkte für diese Periode 
überhaupt muss unser Zweck sein. In den auf die Übersicht folgen- 
den fragmentarischen Bemerkungen wird wenigstens jedes Hauptwerk 
bei irgend einem Anlass vorkommen, allerdings oft in beschränkendem 
Sinn, in naehtheiliger Parallele mit den Werken der goldenen Zeit. 
Dass diess nicht geschieht um Missachtung zu erwecken, oder gar 
um von der Betrachtung der betreffenden Werke abzulenken, wird 
man beim Durchlesen des Ganzen inne werden. Irgend eine syste- 
matische oder gar eine sachliche Vollständigkeit ist hier nicht zu ver- 
langen. 
Die Anfänger der neuen Richtung sind theils Eklektiker, theils 
Naturalisten im besondern Sinne. - Die Beseitigung der unwah- 
ren Formen und der conventionellen Ausdrueksweisen schien dieser 
doppelten Anstrengung zu bedürfen: eines Zuriiekgehens auf die Prin- 
eipien der grossen Meister der goldenen Zeit und einer völligen Hin- 
gebung an die üussere Erscheinung. Der Eklekticismus enthält 
einen innern Widerspruch, wenn man ihn so auffnsst, als sollten die 
besondern Eigenthiimlichkeiten eines Michelangelo, Rafael, Tizian, Co- 
reggio in Einem Werke vereinigt werden; schon das Verfolgen und 
Nachahmen der Eigenthümlichkeiten einzelner grosser Meister hatte ja 
eben die Manieren hervorgerufen, denen man entfliehen wollte. Allein im 
Sinne eines allseitigen Studiums aufgefasst war er höchst nothwendig. 
In der neuen Schule von Bologna. ist denn auch die Aneignung 
der Principien der grossen Vorgänger fast von Anfang an eine har- 
monische und verständige. Es giebt Bilder derselben, welche in der
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.