Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050046
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Die Manieristen. 
diesem Werke immer einen hohen WVertli.  Von den drei grossei 
Deckcnbildern werden die des Tintoretto und Palma giov. weit über- 
troffen von demjenigen des Paolo: Venezia, vom Ruhme gekrönt 
Schon die Untensicht und die bauliche Perspective sind weit sorg- 
fältiger gehandhabt; dann hat P. das Allegorische und Historisch: 
auf die obere Gruppe beschränkt, wo seine Wolkenexistenz in Linie: 
und Farben ganz harmonisch mit der Architektur in Verbindung ge- 
bracht ist; auf der untern Balustrade sieht man nur schöne Frauen, 
weiter unten zwei wachthabende Reiter und Volk, als Zuschauer de: 
himmlichen Ceremonie; höchst weislich sind zwei grosse Stücke Him- 
mel frei gelassen, ein Athemschöpfen, das Tintoretto dem Beschauer 
nirgends gönnt; endlich hat Paolo seinem heitern Schönheitssinn einen 
wahren Festtag bereiten wollen, dessen Stimmung unfehlbar auf den 
Beschauer übergeht. 
a Sala dello Scrutinio. Nichts von Bedeutung als das Welt- 
 gericht des jünger-n Palma, und auch dieses nur der Farbe halber. 
Als Ganzes offenbar das Werk allmiiliger, wechselnder Entschlüsse, 
bildet diese Decoration immerhin ein Unicum der Kunst. Ob der 
Geist, welcher uns daraus entgegenweht, ein vorherrschend wohl- 
thuender ist, und ob die damalige Kunst im Namen der wunderbaren 
Inselstadt nicht eher eine andere Sprache hätte reden müssen, darüber 
mag die Empfindung eines Jeden entscheiden. 
Im Grossen und Ganzen War die Malerei, mit Ausnahme der ve- 
nezianischen Schule, schon in kenntlieher Ausartung begriffen etwa. 
vom Jahr 1530 an; ja. es liesse sich behaupten, dass nach Rafaels 
Tode kein Kunstwerk mehr zu Stande gekommen, in welchem Form 
und Gegenstand ganz rein in einander aufgegangen wären; selbst die 
spätem Werke der grössten Meister imponiren eher durch alle andern 
Vorzüge als gerade durch diesen, wie schon oben mehrfach angedeu- 
tet wurde. 
Die Schüler der grossen Meister traten nun in das verhäugniss- 
volle Erbe derselben ein. Sie bekamen die Kunst unter früher nie
        

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