Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1050036
Malereien des Dogenpalastel. 
993 
(Vorzimmer der Capelle: gute Bilder von Bonüazio unda 
Tintoretto; über Tizians S. Christoph s. S. 970, g.) 
Sala del consiglio de' Dieci. Grosse, friesartige Cere-b 
nwnienbilder von Leandro Bassano, Marco Vecellio und dem Aliense, 
in dessen „Anbetung der Könige" Zug, Gepäck und Episoden zwei 
Drittheile des Raumes einnehmen. Viele sehr schöne Einzelheiten.  
An der Decke fehlt das Mittelbild; ringsum die schön gemalten Al- 
legorien, welche man durchweg dem Paolo zuschreiben möchte, von 
Welchem doch nur der Alte mit dem reizenden jungen Weib herrührt; 
das Übrige ist von dem wenig genannten Ponchino, gen. Bazzacco. 
Sala della Bussola. Die Übergeben von Brescia und Ber-c 
gamo, mit guten Episoden, vom Aliense.  In der Sala de' capi 
geringere allegorische Malereien. 
Noch immer keine römische Geschichte, welche sonst in italieni- 
schen Rathspalästen so unvermeidlich ist? Es lag ein gerechter und 
grossartiger Stolz darin, dass man sie im Dogenpalast zu Venedig ent- 
behren konnte. 
Sala del maggior consiglio. In den historischen Wand-d 
bildern wird der Moment (fast lauter Ceremonien und Schlachtenyin 
der Regel durch Accessorien erstickt. Volksgewühl und Handgemenge, 
ohne irgend ein Liniengefiihl und ohne rechte Naivetät vorgetragen, 
ermiiden den Blick sehr bald. Auch der Kunstverderber Federigo 
Zuccaro hat sich hier eingedrängt.  'l'int0retto,s colossales Paradies 
galt damals gewiss für schöner als Michelangelds Weltgericht und ist 
jedenfalls viel mehr vverth als die Kuppelmalerei des Domes von Flo- 
renz. Allein der Realismus dieser Gestalten ist mit ihrer voraus- 
gesetzten Coexistenz im Raume ganz unverträglich; Alles ist dermassen 
angefüllt, dass auch die fernste Tiefe wieder. eine ziemlich nahe Wand 
von Gesichtern zeigt. Um lauter Lebendiges zu geben, beschränkte 
T. die Wolken auf das Nothwendigste und liess seine Heiligen in 
einer Art schweben, baumeln, auf dem Mantel oder auf gar nichts 
lehnen und liegen, dass dem Beschauer in ihrem Namen schwindlich 
wird; die fliegenden Engel wirken wahrhaft wohlthätig daneben. Die 
Oomposition zerstreut sich in lauter Farben- und Lichtilecke, und 
nimmt nur in der Mitte einen bessern Anlauf. Aber die grosse Menge 
vorzüglicher Köpfe, meist auf dem hellen Grunde ihres Nimbus, geben 
B. Cicerone. 63
        

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