Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049854
Tizian. 
Historlen. 
Mythologische Bilder. 
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welches vielleicht Rubens die Anregung zu seiner Amazonenschlacht 
eingab; einen dramatischen Hauptgednnken muss man hier nicht suchen, 
so wenig als völlige historische Treue in dem theils antiken, theils 
Lanzknechtseostum; allein das Ganze wie das Einzelne ist meisterlich 
belebt. 
Die mythologischen Darstellungen müssen in jedem mehr 
realistischen als idealen Styl um so unharmonischer sein, je mehr ihr 
Inhalt heroisch ist,  und um so harmonischer, je mehr sie sich dem 
Idyllischen, dem Pastoralen nähern. Tizian scheint diese klarer als die 
meisten Zeitgenossen empfunden zu haben. Sein Hauptgegenstand sind 
Bacchanalien, in welchen das schöne und selbst üppige Dasein die höch- 
sten Momente feiert. Die Originale sind in London und Madrid. Eine gute 
Copie von „Bacehus und Ariadne" (wie man sagt, von Nie. Poussin) a 
findet man bei Oamuccini in Rom, eine Episode daraus (angeblich von 
Tizian selbst, aber eher von einem Nichtvenezianer des XVII. Jahrb.) b 
im Pal. Pitti.  Voxt einem berühmten Bilde im Geist von Corcggids 
Leda, nämlich der Darstellung von Calistds Schuld, sind mehrere 
eigenhändige Exemplare in Europa zerstreut; auch dasjenige in der 
Academia di S. Luca zu Rom, woran etwa ein Drittheil fehlt, schiene 
mir (bei flüchtiger Betrachtung) ein schönes Originalwerk.  Eine 
andere vielverbreitete Composition ist Wenigstens durch ein spätes, 
kleines, doch schönes Exemplar bei Camuceini repräsentirt: Venusd 
sucht den zur Jagd eilenden Adonis zurückzuhalten; ein in Linien, 
Formen und Farben vorzüglicher Gedanke, zugleich eine rechte Epi- 
sode idyllischen Waldlebens.  Sodann im Pal. Borghese: das spätes 
Halbfigurenbild der Ausrüstung Amors; wunderbar naiv und farben- 
schön. Es ist nicht mythologisch, aber ganz poetisch, dass ein Amo- 
rin schon für die Erlaubniss zum nächsten Ausflug gute Worte giebt, 
während dem andern die Augen verbunden werden. 
Endlich hat Tizian ein paar Bilder ohne alle mythologische Vor- 
aussetzung gemalt, blosse Allegorien wenn man will, aber von der- 
jenigen seltenen Art, in welcher der allegorische Sinn, den man aus- 
sprechen kann, sich ganz verliert neben einer unaussprechlichen Poe- 
sie. Das eine: die drei Menschenalter, befindet sich, arg über-f
        

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