Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049844
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Venedig. 
statt des Heiligen die Legende, statt des Märtyrers das Marterthum 
Hanf den Altar zu bringen. In S. Giovanni e Paolo (2. Alt. l.) sieht 
man den berühmten S. Pietro martire. Das Momentane ist hier 
wahrhaft erschütternd und doch nicht grässlich; der letzte Ruf des 
Märtyrers, die Wehklage seines entsetzten Begleiters haben Raum in 
die hohen luftigen Baumstämme emporzudringen, welche man sich 
mit der Hand verdecken möge um zu sehen, wie hochwichtig ein 
solcher freier Raum für wirkliehkeitsgemäss aufgefasste bewegte Sce- 
nen ist. Das Landschaftliche überhaupt ist hier zuerst mit vollendetem 
künstlerischem Bewusstsein behandelt, die Ferne in einem zornigen 
Licht, das den Moment wesentlich charakterisiren hilft.  Die Marter 
Indes heil. Laurentius, auf einem der ersten Altäre links in der 
Jesuitenkirche, ein unleidlicher Gegenstand, aber durchaus grossartig 
behandelt; der Kopf des Dulders einer von Tis bedeutendsten Cha- 
rakteren; das Zusammenwirken der verschiedenen Lichter auf der in 
vollster Bewegung begriffenen Gruppe von zauberhafter Wirkung. 
(Stark restaurirt.) 
Einmal scheint Tizian dem Coreggio sehr unmittelbar nachge- 
cgangen zu sein. In der Sacristei der Salute sind die 3Decken- 
bildcr, der Tod Abels, das Opfer Abrahams, und der todte Goliath, 
wie ich glaube, die friihsten venezian. Bilder in Untensicht. Eigent- 
lich lag diese Darstellungsweise gar nicht in der venezianischen Ma- 
lernatur, welche ja. Existenzen entwickeln, nicht durch tauschende 
Raumwirklichkeit ergreifen will. Es sind noch dazu irdische, nicht 
himmlische Vorgänge, und daher die Untensicht nur jene halbe, welche 
von da an in hunderten von venez. Deckenbildern herrscht. Die For- 
men verschieben sich dabei schon ziemlich hässlich (der knieende 
lsaael), doch ist die Malerei noch vorzüglich. 
Von profaner Historienmalcrei ist ausser einem grossen 
dCeremonienbilde in der Pinacoteca zu Verona (Huldigung der Vero- 
neser an Venedig, mit einer Anzahl herrlicher Köpfe; das Meiste wohl 
von Bonifazio) nichts Bedeutendes mehr vorhanden als das kleine, 
Cvortrefiliche Gemälde einer Schlacht (wahrscheinlich derjenigen von 
Ghiaradadda, im Krieg der Liga. von Cambray) in den Uffizien; 
das Handgemenge ist auf und an einer hohen Brücke am heftigsten, 
von welcher sich die vordern Scenen glücklich abheben  ein Motiv,
        

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