Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049812
Tlzlan. 
Elnzelcharaktere. 
Klrchenbilder. 
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ekstatischem Ausdruck, bewegen sich frei vor einer Trümmernische, 
über welcher auf Wolken die Madonna erscheint; zwei Engel eilen 
dem Kind Kränze zu bringen, welche es in seligem Muthwillen her- 
unterwirft; weiter oben sieht man noch den Anfang einer Strahlen- 
glorie (deren halbrunder Abschluss, mit der Taube des heil. Geistes, 
noch vorhanden, aber auf die Rückseite umgebogen sein soll).  
Endlich das Wichtigste und schönste aller Präsentationsbilder, durch 
welches T. die Auffassung solcher Gegenstände für die ganze Folge- 
zeit neu feststellte, nach malerischen Gesetzen der Gruppen- und 
Farbenfolge , in freier, luftiger Räumlichkeit. Es ist das Gemälde in 
den Frari, auf einem der ersten Altäre links: mehrere Heiliges 
empfehlen der auf einem Altar thronenden Madonna. die unten knieen- 
den Mitglieder der Familie Pesaro. Ein Werk von ganz unergründ- 
licher Schönheit, das der Beschauer vielleicht mit mir unter allen 
Gemälden  am meisten persönlich lieb gewinnen wird. 
Einzelne Madonnen mit dem Kinde, im Freien oder vor einem 
grünen Vorhang u. dgl., kommen hin und wieder vor. Eine kleine, 
frühe und sehr schöne im Pal. Sciarra zu Rom. Über eine reife Miit-b 
terlichkeit, allerdings der liebenswiirdigsten Art, geht ihr Ausdruck 
nicht hinaus. 
Biblische u. a. heilige Scenen sind um so viel harmoni- 
scher, je einfacher die dargestellten Beziehungen sind. In der Aca-ß 
demie: die Heimsuchung, das friihste bekannte Gemälde des Meisters. 
 In S. Marcilian, 1. Alt. l., der junge Tobias mit dem Engel, eind 
ganz naives Bild kindlicher Beschränktheit unter himmlischem Schutze. 
 In S. Salvatore, letzter Alt. d. r. Seitenschiffes: eine ganz späteß 
Verkündigung.  Von den reichern Compositionen nimmt die be- 
rühmte Grablegung (im Pal. Manfrin) wohl die erste Stelle ein: 
'Man soll nicht mit dem Vergleichen anfangen; allein hier drängt sich 
die Parallele mit der borghesischen Grablegung Rafaels unabweislich 
auf. An dramatischem Reichthum, an Majestät der Linien kann sich 
das Werk Tizians mit jenem nicht messen; die Stellungen der we- 
nigsten Figuren werden auch nur genügend erklärt. Aber die Gruppe 
ist nicht nur nach Farben unendlich schön gebaut, sondern auch in 
dem Ausdruck des geistigen Schmerzes allem Höchsten gleichzustellen- 
Kein Zug des Pathos liegt ausserhalb des Ereignisses, keiner über-
        

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