Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049796
Tlzian. 
Porträts. 
Nackte Gestalten. 
969 
Tizian: ein junger Nobile, der sich zu einer Dame umwendet, deren 
Züge an die Flora erinnern, auf der andern Seite ein Knabe mit Fe- 
derbarett. Die Trachten sind wohl erst diejenigen um 1520. 
Sodann hat Tizian in einzelnen nackten Gestalten wiederum 
andere Probleme eines hohen Daseins gelöst, wobei zugleich die male- 
rische Darstellung einen vielleicht nie mehr erreichbaren Triumph feiert. 
In der Tribuna der Uffizien die beiden berühmten Bilder, das einea 
als Venus bezeichnet durch Anwesenheit des Amor, das andere ohne 
irgend eine mytholog. Andeutung, doch ebenfalls Venus genannt. Die- 
ses letztere ist wohl das frühere; der Kopf trägt die Züge der Bella 
im Pal. Pittil). Gestalten dieser Art sind es, welche so oft unserer 
jetzigen (zumal französischen) Malerei das Concept verrücken. Warum 
sind dieses ewige Formen, während die Neuern es so selten über 
schöne Modellakte hinaus bringen? Weil Motiv und Moment und 
Lieht und Farbe und Bildung mit einander im Geiste Tizians ent- 
standen und wuchsen. WVas auf diese Weise geschaffen ist, das ist 
ewig. Die wonnig leichte Lage, die Stimmung der Carnation zu dem 
goldenen Haar und zu dem weissen Linnen und so viel andere Ein- 
zelschönheiten gehen hier durchaus in der Harmonie des Ganzen auf, 
nichts präsentirt sich abgesondert. Das andere Bild, in den Linien 
der Hauptgestalt ähnlich, schildert doch einen andern Typus und er- 
hält durch den rothen Sammtteppich statt des Linnen, sowie durch 
den landschaftlichen Hintergrund einen wesentlich neuen Sinn.  Eine 
dritte liegende Figur, auf einem Lager mit rothem Baldachin, in derb 
Academia di S. Luca zu Rom, ist durch eine Schrifttafel als Vanitas 
bezeichnet; ein sehr schönes Werk, dessen nähere Untersuchung der 
Verf. jedoch versäumt hat. 
In den einzelnen Gestalten heiligen Inhaltes wird man bei 
Tizian fast niemals die möglichst würdige und angemessene Darstel- 
lung des Gegenstandes suchen dürfen, von welchem sie den Namen 
tragen. Überhaupt gehen tizianische Charaktere, so gross und in ge- 
wissem Sinn historiseh sie an sich sind, doch nicht leicht in irgend 
eine geschichtliche Bedeutung auf; ihr besonderes Leben überwiegt. 
 Auch jene Herzogin von Urbino (S. 
968, a) trägt denselben Typus.
        

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