Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049779
Rocco Marconi; Lor. Lotto. 
Tlziün. 
967 
In der Mitte der Schule steht die gewaltige Gestalt des Tizian 
(Vecellio, 1477-1576), der in seinem fast hundertjährigen Leben alles 
was Venedig in der Malerei vermochte, in sich aufgenommen oder 
selbst hervorgebracht oder vorbildlich in der jiingern Generation ge- 
weckt hat. Es ist kein geistiges Element in der Schule, das Er nicht 
irgendwo vollendet darstellt; allerdings repräsentirt er auch ihre Be- 
schränkung. 
Der göttliche Zug in Tizian besteht darin, dass er den Dingen 
und Menschen diejenige Harmonie des Daseins anfühlt, Welche in ihnen 
nach Anlage ihres Wesens sein sollte oder noch getrübt und unkennt- 
lich in ihnen lebt; was in der WVirklichkeit zerfallen, zerstreut, be- 
dingt ist, das stellt er als ganz, gliickselig und frei dar. Die Kunst 
hat diese Aufgabe wohl durchgängig; allein Keiner löst sie mehr so 
ruhig, so anspruchlos, mit einem solchen Ausdruck der Nothwendig- 
keit. In ihm war diese Harmonie eine priistabilirte, um einen philo- 
sophischen Terminus in einem besondern Sinn zu brauchen. Alle 
äussern Kunstmittel der Schule besass er wohl in einem besonders 
hohen Grade, doch erreichen ihn Mehrere im einzelnen Fall. Wesent- 
licher ist immer seine grosse Auifassung, wie wir sie eben geschil- 
dert haben. 
Sie ist am leichtesten zu beobachten in seinen Porträts (vgl. 
S. 514), in deren Gegenwart man allerdings die Frage zu vergessen 
pflegt: wie der Meister aus den zerstreuten und verborgenen Ziigen 
diese grossartigen Existenzen möge ins Leben gerufen haben. Wer 
aber nach dieser Seite hin eindringen will, für den bedarf es keines 
erläuternden "Wortes mehr.  In Venedig: Galerie Manfrin: das Per-a 
triit des Ariost, im grauen Damnstkleide;  Oaterina Cornaro.  
Academie: der Procurator Sopranzo, dat. 1514 (eher 1543).  Inb 
Florenz: Pal. Pitti: der sog. Pietro Aretinc, Urbild eines bestimmtenc 
Typus siidltindischer Frechheit;  Vesalio   der greise Cornaro; 
 namenloses Bild eines blonden schwarzgekleideten Mannes mit Kette; 
 dann das Kniestück des Ippolito Medici im ungarischen (vielleicht 
vom Maler gewählten?) Kleide;  das sehr verdorbene Carls V im 
Prachtkleide;  endlich in ganzer Figur: Philipp II;  und ein Mann 
in schwarzem Kleid, von gemeinen Ziigen, aber offen in seiner Art 
imd sehr distinguirt (hinten eine Architektur mit Relief am Sockel).
        

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