Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047426
732 
Malerei des Mittelalters. 
Aufheben der Arme bedeutet Reden, Beten und Machtäusserung, je 
nach den Umständen; der Geist des Jahrtausends kömmt Allem so 
sehr entgegen, dass er die äusserlichste Andeutung an vollwichtige 
Zahlung nimmt und ihr bereitwillig naehdichtet, ohne irgend einen 
physiognomischen Ausdruck des Augenblickes, irgend eine äussere 
Verdeutlichung zu verlangen. Die Kunst ist, wie wir oben sagten, 
nie gebundener gewesen; die Zeitgenossen haben ihr aber auch nie 
so viel zu- und vorgegeben. 
Es würde sehr weit führen, wenn wir diesen Bilderkreis hier 
schildern wollten; für die römischen Mosaiken giebt Platners Be- 
schreibung Roms den Inhalt genau; die ravennatischen haben aller- 
dings Vieles, das in Rom nicht vorkommt, doch kann man auch hier 
den Inhalt errathen.  Unsere Aufzählung umfasst nur die bedeu- 
tendern Arbeiten. 
Nächst den Mosaiken von S. Oostanza bei Rom, aus constan- 
tiniseher Zeit, welche oben (S. 65, a) noch bei Anlass der antiken 
aOrnamentik genannt wurden, sind diejenigen des orthodoxen Bapti- 
steriums in Ravenna das frühste Hauptwerk (vor 430), ja das 
einzige in welchem noch die volle decorative Pracht (Einfassungen, 
Zierüguren, Abwechselung von Stuccorelief und Mosaik) spätrömischer 
Arbeiten sich mit einer noch immer bedeutenden und belebten Zeich- 
nung verbindet; zugleich eines der prachtvollsten Farben-Ensemblds 
der ganzen Kunst. 
b Die biblischen Geschichten, welche in S. Maria maggiore zu 
Rom an den Obermauern des Mittelschiffes und am Triumphbogen 
(S. 74) angebracht sind (vor 450, manche stark umgearbeitet oder 
ganz modern), können als Specimen der damals üblichen Bilderbibel 
gelten. 
c In der Grabcapelle der Galla Placidia zu Ravenna sind die herr- 
liehen farbigen Ornamente auf dunkelblauem Grunde bedeutender als 
das Figürliche. (Gegen 450.) 
a Aus derselben Zeit (432-440  stammt das schon oben (S. 89, a) 
erwähnte Mosaikornament in der Vorhalle des laterauensischen Bapti- 
steriums. 
ß Unter Leo dem Grossen (440-462) entstanden die vordem Mo- 
saiken des Triumphbogens in S. Paul bei Rom, welche wahrschein-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.