Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049717
Giorglone. 
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Gewänder eine vollkommene wird; anderseits aber wurde das mensch- 
liche Auge genau befragt über seine Reizfzihigkeit, über Alles was 
ihm Wohlgefallen erregt. Das dem Laien Unbewusste wurde dem 
Maler hier klarer als in andern Schulen bewusst. 
Welche Gegenstände hienach für diese Meister die glücklichsten 
waren, ist leicht zu errathen. Je näher sie dieser Sphäre bleiben, 
desto grösser sind sie, desto zwingender die Eindrücke welche sie 
erregen. 
Unter den Schülern Giov. Bellinfs, welche die Hauptträger der 
neuen Entwicklung sind, giebt Giorgione (eigentlich Barbarelli, 
147719-1511) dieselbe auf eine ganz besonders eindringliche, wenn 
auch einseitige Weise zu erkennen. 
Die Belebung einzelner Charaktere durch hohe, bedeutende 
Auffassung, durch den Reiz der vollkommensten malerischen Durch- 
führung war schon in der vorigen Periode so weit gediehen, dass 
eine abgesonderte Behandlung solcher Charaktere nicht länger aus- 
bleiben konnte. So wie die vorige Periode ihr Bestes schon in jenen 
Halbügurenbildern der Madonna. mit Heiligen zu geben im Stande ist 
(S. 824, 826), so gicbt nun Giorgione dergleichen Bilder profanen, bloss 
poetischen Inhaltes und auch einzelne Halbfiguren, die dann schwer 
von dem blossen Portrait zu trennen sind. Er ist der Urvater dieser 
Gattung, welche später in der ganzen modernen Malerei eine so grosse 
Rolle spielt. Allein er malt nicht desshalb costumirte Halbiiguren, 
weil ihm ganze Figuren zu schwer wären, sondern weil er darin einen 
abgeschlossenen poetischen Inhalt zu verewigen im Stande ist. Venedig 
bot in dieser Zeit der erzählenden, dramatischen Malerei nur wenige 
Beschäftigung; es fehlen die grossen Frescounternehmungen von Rom 
und Florenz; der Überschuss an derartiger Begabung aber brachte es 
zu Einzeliiguren wie sie keine andere Schule schafft. Soll man sie 
historische oder novellistisehe Charaktere nennen? bald überwiegt 
mehr die freie Thatfähigkeit, bald mehr das schönste Dasein. 
Die erste Stelle nimmt die Lautenspielerin im Pal. Manfrina 
zu Venedig ein, leicht und mit unglaublicher Meisterschaft hingemalt; 
ein schönes inspirirt aufwärtsblickendes Weib, erfüllt von künftigem 
B. Cicerone. 61
        

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