Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049657
Staffeleibilder der vollendeten Zeit. 
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Letztere ist ganz ausserordentlich schön und zeigt in der Art, wie sie 
sich hinschmiegt, die höchste Empfindung für eine bestimmte Art 
weiblicher Anmuth. 
Die Kreuzabnahme, ebenda, vor Allem ein Wunderwerk dera 
äussern Harmonie. Der Kopf des liegenden Christus von höchst edelm 
Schmerzensausdruck, die Übrigen aber beinah kleinlich und selbst gri- 
massirend. Die Ohnmacht ist in der Maria sehr wirklich dargestellt, 
sodass man z. B. inne wird, wie sie die Herrschaft über den linken 
Arm verliert. 
Das Gegenstück (wie obiges auf damascirtc Leinwand gemalt): 
Die Marter des heil. Placidus und der heil. Flavia; in derb 
malerischen Behandlung nicht minder ausgezeichnet. Ein verhängniss- 
volles Bild, dessen übelste Eigenschaften bei den Malern des XVII. 
Jahr-h. nur zu vielen Anklang gefunden haben. Verlangte man von 
O. diese Scene oder ist er hier freiwillig der erste I-Ienkcrmaler, wie 
er anderwärts der erste ganz verbuhlte Maler ist? Höchst seelenruhig 
und kunstgerecht zieht der eine Henker der süsslichen Flavia die 
Flechte mit der Linken herunter und stösst sie mit dem Schwert 
unter die Brust; der andere zielt auf den ganz devot vor ihm knieen- 
den Placidus; rechts sieht man zwei Rümpfe von Enthaupteten, ja 
aus dem Rahmen schaut noch der Arm eines Ilenkcrs hervor, der 
einen blutigen Kopf trägt. Auf den ersten Blick erscheint das Ganze 
erstaunlich modern. 
Von den Fresken Coreggiois in Parma sind diejenigen in einem 
Gemach des aufgehobenen Nonnenklosters S. Paolo die frühstens 
Über dem Kamin sieht man Diana in ihrem XVagen auf Wolken 
fahrend; am Gewölbe, welches über 1G trefflichen einfarbig gemalten 
Lnnetten mythologischen Inhaltes emporste-igt, ist eine WVeinlaube ge- 
malt und in den runden Öffnungen derselben die berühmten Putten, 
Zu zweien oder dreien in allerlei Verrichtungen gruppirt. Sie sind 
nicht schön im Raum, auch nicht in den Linien, überhaupt fehlte dem 
Maler das architektonische Element, das solchen Decoratioxien zu 
Wünschen, dass die Aquarellcopien der Freskeh Goreggids, theils von To- 
schi's, theils von seiner Schüler Händen, öffentliches Eigenthunl vwrürden. Wer 
sie noch jetzt zu sehen Gelegenheit hat, versäume dieses nicht.
        

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