Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049645
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
coreggio- 
a Ebenda: 1a. Zingarella, d. h. Madonna über das Kind gebeugt 
auf der Erde sitzend, oben im Palmendnnkel schweben reizende Engel. 
Coreggio hebt in der Maria. das Mütterliche hier und auch sonst nicht 
selten mit einer wahren Heftigkeit hervor, als fühlte er, dass er s einem 
Typus keine höhere Bedeutung verleihen könne. Die Ausführung 
vielleicht etwas früher, übrigens von grösster Schönheit. 
b Auch die grosse Frescomadonna in der Galerie von Parma 
zeigt Mutter und Kind innig verschlungen; eines der schönsten Linien- 
motive Cfs; Köpfe und Irliinde Wunderbar zuszunmengcordnet (der- 
gleichen sonst seine starke Seite nicht ist); Hauptbeispiel seines weib- 
lichen Idcalkopfes mit den eolossalen Augenlidern und dem Niischen 
und Mündehen. 
c Ebenda: die berühmte Madonna della Scodella, eine Scene 
der Flucht nach Ägypten. Das zauberhafte Licht in dem heimlichen 
WValdraum, die liebenswürdigen Köpfe und die unbeschreibliche Herr- 
lichkeit der ganzen Behandlung lassen es vergessen, dass das Bild 
Wesentlich nach den Farben componirt und in den Motiven überwie- 
gend unklar ist. WVas Will das Kind, ja die Mutter selbst? was fan- 
gen die heftig bewegten Engel oben mit der Wolke an? wie hat man 
sich den Engel, welcher das Lastthier bindet und denjenigen mit dem 
Rebenzweig vollständig entwickelt zu denken? Man scheue sich nur 
nicht, Fragen, die man an jeden Maler stellt, auch an Coreggio zu 
stellen. Wer solche Wirklichkeit malt, ist zur Deutlichkeit doppelt 
verpflichtet. 
d Auch die Madonna di S. Girolamo (ebenda) wiegt durch 
eine fast (doch nicht ganz) ebenso erstaunliche Behandlung die grossen 
sachlichen Mängel nicht auf. Hieronymus steht affectirt und unsicher 
wie denn Coreggio im Grossartigen nirgends glücklich ist; das Kind, 
welches dem im Buche hliitternden Engel winkt und mit den Haaren 
der Magdalena spielt, ist von einer unbegreiflichen Hässlichkeit, ebenso 
der Putto, welcher am Salbengefiiss der Magdalena riecht 1). Nur 
1) S0 dass man sich des Gedankens an eine ganz bestimmte Absicht kaum er- 
wehren kann. Es ist- hier Pilichtsache zu bekennen, dass in T0sehi's Sti- 
chen die Köpfe nicht selten versüsst sind  diess unbeschadet der hohen 
Achtung vor dem Meister, welchen ich noch wenige Monate vor seinem Ende 
in seinem Studio zu begrüssen das Glück gehabt habe. Es wäre sehr zu
        

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