Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047402
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Malerei des Mittelalters. 
Mosaiken. 
awie die altern Mosaiken von S. Marco, kaum noch einen flüchtigen 
Anschein von Leben. 
Dieses Formensystem gewann nun einen grossen Einfluss auch 
in Italien. Nicht nur waren viele und wichtige Gegenden und Städte, 
worunter z. B. Rom, das ganze erste Jahrtausend hindurch in einer 
wenigstens halben und scheinbaren Abhängigkeit vom griechischen 
Kaiserreich geblieben, sondern die byzantinische Kunst hatte bestimmte 
Eigenschaften, die ihr zeitweise die Herrschaft über die ganze italie- 
nische sicherten. Schon die kirchliche Empiindungsart war eine ähn- 
liche hier wie dort; erst um die Mitte des XI. Jahrh. entschied sich 
der kirchliche Bruch zwischen Rom und Byzanz für immer. Somit 
War zunächst kein Wesentliches Hinderniss vorhanden. Dann musste 
das gestörte und verarmte italienische Culturleben von dem (wenig- 
stens in der Hauptstadt)" ungestörten byzantinischen überflügelt werden, 
auch wenn letzteres nur die Tradition der künstlerischen Technik vor- 
ausgehabt hätte. _ Diese aber war in jener Zeit ein entscheidendes 
Element; die Kirche, die nur durch PraehtstoHe und möglichst reiche 
Behandlung derselben wirken zu können glaubte, fand ihre Rechnung 
besser bei den aus Constantinopel kommenden Künstlern und Kunst- 
werken, deren Art und Bedingungen man kannte, als bei den ein- 
heimischen. Und so ist vom VII. bis zum XIII. Jahrh. der italienische 
Maler entweder seiner eigenen Verwilderung bei kleinern Aufgaben 
überlassen, oder er hilft den Byzantinern bei der Ausführung dessen 
was sie vorschreiben. In einzelnen Städten, wie Venedig, siedeln 
sich ganze Colonien von Griechen um eine Kirche herum als Mosai- 
cisten an, selbst für ein Jahrhundert und drüber. Es war ein er- 
habener Augenblick im italienischen Leben, als man sie verabschiedete, 
weil wieder eine einheimische Formenbildung erwacht war, weil man 
das Heilige wieder aus eigenen Kräften zu gestalten vermochte. Zer- 
streute byzantinische Einflüsse hielten sich indess noch lange (in Ve- 
nedig, Unteritalien etc.) und sind noch zur Stunde nicht gänzlich aus- 
gestorben, weil die byzant. Stylisirung sich mit den heiligen Typen 
im Volksbewusstsein zu eng verschwistert hatte. 
Die italienischen Mosaiken zerfallen in zwei ziemlich scharf ge- 
Schiedene Classen: die altchristlichen, bis zum VII. Jahrh., in welchen 
noch die antike Auffassung, mehr oder weniger absterbend, zu erken-
        

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