Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047391
Mosaiken. Der byzantinische Styl. 729 
tinopel nämlich, wo sich mit der Zeit die meiste und prachtvollste 
Kunstübung der christlichen Welt concentrirte, bildete sich etwa seit 
Justinian eine gewisse Anordnung der darzustellenden Scenen, eine 
bestimmte Bildung der einzelnen Gestalten nach Bedeutung und Rang, 
eine ganz besondere Behandlung alles Einzelnen zum System M15- 
Dieses System lernte dann Jeder auswendig soweit seine angeborene 
Fertigkeit es gestattete, und reproducirte es, meist ohne der Natur 
auch nur einen Blick zu gönnen. Daher findet man z. B. so viele 
fast identische Madonnen dieses Styles; daher gleichen sich die ver- 
schiedenen Darstellungen derselben Scene fast ganz, und die einzelnen 
heiligen Gestalten desselben Inhaltes durchaus.  Es ist ein Räthsel 
11m dieses fast gänzliche Ersterben der Subjectivitätl), zu Gunsten 
eines bis in alles Detail durchgeführten gleichartigen Typus, und 
Iflsn muss schon die Kunst alter, stillestehender Culturvölker (der 
Agypter, Chinesen etc.) zur Vergleichung herbeiziehen, um zu be- 
greifen, wie das ganze Gebiet der Form einem durchgehenden ge- 
heiligten Recht unterthan werden konnte.  Die Grundlage des by- 
zantinischen Systems bilden allerdings antike Reminiscenzen, aber in 
kaum mehr kenntlicher Erstarrung. Der Ausdruck der Heiligkeit 
wird durchgehende in der Morosität gesucht, da. der Kunst der Weg 
abgeschnitten ist, durch freie Hoheit der Form den Gedanken an das 
Überirdische zu wecken; selbst die ltladonna wird mürrisch, obschon 
die kleinen Lippen und die schmale Nase einen gewissen Anspruch 
auf Lieblichkeit zu machen scheinen; in männlichen Köpfen tritt oft 
noch eine ganz fatale Tücke hinzu. Die Gewandung, in einer be- 
stimmten Anzahl von Motiven gehandhabt, hat eine bestimmte Art 
feiner, starrer Falten und Brüche; wo der Typus es verlangt, ist sie 
nichts als eine Fläche von Ornamenten, Gold und Juwelen; sonst 
dient das Gold in Tafelbildern durchgängig und in Mosaiken oft zur 
Darstellung der aufgehöhten Lichter. Die Bewegungen und Stellungen 
Werden immer todter und haben bereits in Arbeiten des XI. Jahrh, 
1) Sie flüchtet Sich Z. 13- in die Miniaturen, oder äussert sich darin wenigStenS 
durch Reproduction besserer aller Originale. Allmälig stirbt sie aber wirk- 
lich ab und löst, wo sie muss, neue Aufgaben, z. B, Martergeschichten etc. 
durch blosse neue Comhinalion der sonst angelernten Elemente.
        

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