Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049451
Giulio Romano. 
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uns ganz nahe liegt. Die Seele des modernen Menschen hat. im Ge- 
biet des Form-Schönen keinen höhern Herrn und Hüter als ihn. Denn 
das Alterthum ist zerstückelt auf unsere Zeit gekommen und sein Geist 
ist doch nie unser Geist.  
Die höchste persönliche Eigenschaft Rafaels war, wie zum Schluss 
wiederholt werden muss, nicht ästhetischer, sondern sittlicher Art: 
nämlich die grosse Ehrlichkeit und der starke Wille, womit er in je- 
dem Augenblick nach demjenigen Schönen rang, welches er eben jetzt 
als das höchste Schöne vor sich sah. Er hat nie auf dem einmal Ge- 
Wonnenen ausgeruht und es als bequemen Besitz weiter verbraucht. 
Diese sittliche Eigenschaft Wäre ihm bei längerem Leben auch bis ins 
Greisenalter verblieben. WVenn man die colossale Schöpfungskraft ge- 
rade seiner letzten Jahre sich ins Bewusstsein ruft, so wird man inne, 
was durch seinen frühen Tod auf ewig verloren gegangen ist. 
Die Schüler Rafaels bildeten sich an den grössten Unternehmun- 
gen seiner letzten Jahre. War es ein Glück für ihre eigene Thätig- 
keit, dass sie von Anfang an unter dem Eindrueke seiner grossen 
Auffassung der Dinge standen? konnten sie noch mit eigener naiver 
Art an ihre Gegenstände gehen? und welche Wirkung musste es auf 
sie ausüben, wenn sie aus dem Gerede der Welt entnahmen, was man 
eigentlich an ihrem Meister bewunderte? In letzter Linie kam es dabei 
sehr auf ihren Charakter an. 
Der bedeutendste darunter ist Giuliq Romano (geb. um 1492, 
st. 1546). Eine leichte, unermüdliche Phantasie, welche auch Streif- 
züge in das Gebiet des Naturalismus nicht verschmäht und sich vor- 
zugsweise in den neutralen Gegenständen, in den Mythen des Alter- 
thums zu ergehen liebt, zu der kirchlichen Malerei aber gar keine 
innerliche Beziehung mehr hat und einer grenzenlosen Verwilderung, 
einer öden Schnellproduction anheimfallen musste. 
Frühe decorative Malereien: im ,Pal. Borghese (drei abgesiigtea 
Stücke aus der Villa Laute, mit altrömischen Geschichten in Bezie-
        

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