Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049390
Tapeten der ersten Reihe. 
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chen Verdeutlichung der gleichen Nachhülfe wie das Relief der Alten: 
nämlich der Personitieation von Flüssen, Bergen, Städten etc. Auch 
das allgemeine ideale Costüm War hier, wo kein Detail scharf cha- 
rakteristisch vortreten durfte, durchaus nothwendig. 
In den Hauptbildern war Rafael frei und konnte seinen tiefsten 
Inspirationen nachgehen. Es ist vorauszusetzen, dass er hier selbst 
die Momente wählen durfte, wenigstens sind sie alle so genommen, 
dass man keine bessern und schöner abwechselnden aus der Apostel- 
geschichte wählen könnte. Die Technik der Wirkerei, auf Welche er 
seine Arbeit zu berechnen hatte, erlaubte ihm beinahe so viel als das 
Fresco. Er scheint mit einer ruhigen, gleichmässigen Wonne gear- 
beitet zu haben. Das reinste Liniengefiihl verbindetfsich mit der tief- 
sten geistigen Fassung des Momentes. Wie sanft und eindringlich ist 
in dem Bilde „Weide meine Schafe!" die Macht des verklärten Christus 
ohne alle Glorien ausgedrückt, indem dic Gruppe der Apostel je näher 
bei ihm, desto mehr zu ihm hingezogen wird; die hintersten stehen 
noch ruhig, während Petrus schon kniet. Die Heilung des Lahmen 
im Tempel  einer jener Gegenstände, welche in spätern Bildern 
durch Überladung mit gedrängten Köpfen pflegen erdrückt zu wer- 
den  ist hier durch die architektonische Scheidung und durch erha- 
benen Styl in die schönste Ruhe gebracht. Pauli Bekehrung ist (hier 
ohne Lichtcfect) auf die einzig würdige Weise geschildert, Während 
die meisten andern Darsteller ihre Virtuosität in einem rechten Ge- 
tümmel zu zeigen suchen. Das Gegenstück bildet die Steinigung des 
Stephanus. Die Blendung des Zauberers Elymas (leider zur Hälfte 
verloren) und die Strafe des Ananias sind die höchsten Vorbilder für 
die Darstellung feierlich-schrecklicher Wunder; das Dämonische hat 
ruhige Gruppen zum Hintergrunds. Wiederum gehören zusammen: 
Panli Predigt in Athen, und die Scene in Lystra, beide von uner- 
messlichem Einfluss auf die spätere Kunst, sodass z. B. der ganze 
Styl Poussins ohne sie nicht vorhanden wäre. Das eine ein Bild des 
reichsten Seelenausdruckes, der sich der mächtigen Profilgestalt des 
Apostels doch vollkommen unterordnet; das andere eine der schönsten 
bewegten Volksgruppen, _so um den Opferstier geordnet, dass dieser 
mit seiner Wendung sie unterbricht und doch nichts verdeckt; man 
empfindet, dass der Apostel ob diesem Auftreten der Masse vor Leid 
B. Cicerane. 59
        

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