Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049374
Loggien des Vaticans. 
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heroisches Leben, welches dann in den vier Bildern der Geschichte 
Abrahams und in den vier folgenden mit der Geschichte Isaaks seine 
Fülle entfaltet. Abraham mit den drei Engeln, Loth mit seinen Töch- 
tern iliehend, der knieende Isaak, die Scene beim König Abixnelech 
gehören zu den schönsten Motiven Rafaels. Und doch glaubt man 
erst in den Bildern der Geschichte Jacobs und vollends derjenigen 
Josephs das Höchste innerhalb den Grenzen dieser Gattung vor sich 
zu haben, zumal in der Scene "Joseph vor seinen Brüdern als Traum- 
deuter."  Von den acht Bildern mit der Geschichte des Moses sind 
die ersten noch sehr schön, und unter den spiitern besonders die An- 
betung des goldenen Kalbes; dazwischen aber tritt mit „Moses auf 
Sinai", und "Moses vor der Wolkensaule" eine starke Verdunkelung 
ein. Vermuthlich war dem Künstler der vorgeschriebene Gegenstand 
zuwider; das letztere Bild kann er kaum selber componirt haben. Von 
den vier Bildern der Eroberung Palttstinais ist der Sturm auf Jericho 
besonders ausgezeichnet; von den vieren der Geschichte Davids die 
Salbung, von der Geschichte Salomo's das Urtheil. Mit den Bildern 
der letzten Arcade begann Rafael die Geschichten des neuen 'l'esta- 
mcntes; der Anfang, zumal die Taufe Christi zeigt, was wir an der 
Fortsetzung verloren haben. (Das Abendmahl schwerlich von R.) 
Eine besondere Beachtung verdient die Behandlung des Übersinn- 
liehen. Die Kleinheit des Massstabes schrieb eine Wirkungsweise durch 
lauter Geberde und Bewegung vor. „Die Scheidung des Lichtes von 
der Finsterniss" (l. Arc., 1. Bild) ist unter dieser Bedingung ganz 
vorzüglich grossartig gedacht; die Geberde der vier Extremitäten drückt 
das Auseinanderweisen und zugleich die höchste Macht aus. Bei den 
ersten Menschen tritt Gott als weiser Vater auf; der Engel, der sie 
aus dem Paradiese treibt, zeigt in der Geberde ein tröstendes Mitleid. 
In starker schwebender Bewegung erscheint Gott dem Abraham, dem 
Isaak (mit dem Gestus des Verbietens) und dem Moses im feurigen 
Busche; mit der Himmelsleiter musste auch Rafael sich behelfen wie 
es ging. In der Gesetzgebung auf Sinai, Wo Gott thronend im Profil 
dargestellt ist, trägt sich die Bewegung auf die heranstürmenden Posau- 
nenengel über, u. s. w. 
Mit den Dccorationen haben diese biblischen Bilder allerdings nicht 
den geringsten geistigen Zusammenhang. Allein dieses ornameiltale
        

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