Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049361
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Rafael. 
Würfe waren, nach welchen er die Schüler arbeiten liess; wahrschein- 
lich je nach Umständen. 
Ort und Technik schrieben die grösste Einfachheit vor. Licht- 
effect, Ausdruck einzelner Köpfe, irgend ein raffinirtes Detail durften 
nie die Grundlage und Seele des Bildes ausmachen. Was nicht mit 
deutlichen Beziehungen und Geberden zu erreichen war, musste weg- 
bleiben. Der menschlich interessante Kern der Scenen, ohne irgend 
einen bestimmten orientalischen Bezug, musste zum idealen, für alle 
Zeiten und Länder gültigen und verständlichen Kunstwerk ausgebildet 
werden. Von der venezianischen Art, den Vorgang in eine Novelle 
des XVI. Jahrh. zu übersetzen, konnte hier keine Rede sein. Man 
halte aber die Loggienbilder neben die Umrisszeichnung eines Gier- 
gione, Palma oder Bonifazio dieser Art, und man wird den Gedanken- 
unterschied inne werden. Übrigens ist in vielen Loggienbildern die 
Landschaft so schön und bedeutend als bei den Venezianern, worauf 
hier ausdrücklich hingewiesen werden muss. (Erschaffung der Eva, 
Adams Feldbau, Jacob mit Rahel am Brunnen, Jacob mit Laban strei- 
tend, Joseph als Traumdeuter vor seinen Brüdern, Findung Mosis, 
u. a. m.) 
Die Vortrefilichkeit der einzelnen Motive entzieht sich durchaus 
der Beschreibung; es scheint sich Alles von selbst zu verstehen. Um 
den Werth jedes einzelnen Bildes ins Licht zu setzen, müsste man 
jedesrnal nachweisen, wie andere Künstler meist mit grössern Mitteln 
doch nur eine geringere, weniger geistvolle Lösung zu Stande gebracht 
oder auch gänzlich neben das Ziel geschossen haben. Streitig für un- 
ser Gefühl sind nur die ersten Bilder, die der WVcltschöpfung. Rafael 
bediente sich hier zum Ausdruck für den Schöpfer desjenigen Typus, 
Welchen Michelangelo in der Sistina zum Leben gerufen hatte; die 
"Kunst hatte jetzt gleichsam das Recht, die in verschiedene Acte ge- 
theilte Schöpfung als lauter Bewegung darzustellen. Gleich darauf 
beginnt die Geschichte des ersten Menschenpaares, die hier durch die 
Bestimmtheit des landschaftlichen Raumes einen von den Darstellungen 
gleichen Inhaltes in der, Sistina wesentlich verschiedenen Grundton 
erhält. Diese vier Bilder allein offenbaren schon den grössten histori- 
sehen Componisten, wie man beim Durchdenken ihrer Motive zugeben 
wird. Mit den vier Noah-Bildern beginnt ein neues patriarchalisch-
        

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