Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047389
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Malerei des Mittelalters. 
Mosaiken. 
tiken Styles ist. Die Auifassung und Wahl der Gegenstände ist aller- 
dings hochwichtig und charakteristisch für das ganze frühere Ver- 
hältniss des Christenthums zur Kunst; einen nicht geringen Ersatz 
bieten namentlich die altchristlichen Sarcophage (S. 554), obschon sie 
anicht denselben Ideenkreis darstellen; auch die iigurirten Böden von 
Trinkgläsern (bes. im Museo Cristiano des Vaticans) mögen das Bild 
der ältesten christlichen Kunstübung vervollständigen helfen. 
Eine fast ununterbrochene, documentirte Reihe von christlichen 
Malereien gewähren jedenfalls erst die Mosaiken der Kirchen. Wir 
müssen die Voraussetzungen, unter weichen sie zu betrachten sind, 
kurz erörtern. 
Die Kunst ist hier auf jede Weise gebundener als je seither. 
Nicht bloss ein, kirchlicher Luxus, sondern die stärkste Absicht auf 
monumentale Wirkung und ewige Dauer nöthigt sie, in einem Ma- 
terial zu arbeiten, welches jede Theilnahme des Künstlers an der 
Ausführung vollkommen ausschliesst und denselben auf die Fertigung 
des Cartons und auf die WVahl der farbigen Glaspasten beschränkt. 
Sodann verlangt und gestattet die kirchliche Aufgabe hier streng nur 
soviel als zum kirchlichen Zwecke dient, dieses aber soll in der im- 
posantesten Gestalt ans Licht treten; nur der Gegenstand herrscht, 
ohne räumliche Umgebung ausser was durchaus zur Verdeutlichung 
unentbehrlich ist; ohne den Reiz der sinnlichen Schönheit, denn die 
Kirche wirkt mit einem ganz andern Ausdruck auf die Phantasie; 
ohne Rücksicht auf die künstlerischen Gesetze des Contrastes in Be- 
wegungen, Formen und Farben u. s. w., denn die Kirche hat ein 
ganz anderes Gefühl der Harmonie in Bereitschaft als das , welches 
aus schönen formellen Contrasten hervorgeht. Ja der Künstler darf 
nicht mehr erfinden; er hat nur zu redigiren, was die Kirche für ihn 
erfunden hat. Eine Zeitlang behauptet die Kunst hiebei noch einen 
Rest der vom Alterthum her ererbten Freudigkeit und schallt inner- 
halb der strengen Beschränkungen noch einzelnes Grosse und Le- 
bendige. Allein allmälig dankt man ihr es nicht mehr und sie zieht 
sich endlich in die mechanische Wiederholung "zurück. 
Diese Wiederholung eines Auswendiggelerntcn ist dann der durch- 
gehende Charakter des sog. byzantinischen Styles. In Constan-
        

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