Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049339
Stanza. delP Incendio. 
Sala, di Costantino. 
923 
wieder höher fassen, und das Weltgeschichtliche endlich einmal un- 
mittelbar geben. So kam der erste aller Historienmaler gegen Ende 
seines Lebens an die direct geschichtlichen und durch die Zcitentfernung 
dennoch idealen Aufgaben. Vielleicht hatte es dazu des Incendio be- 
durft, in welchem er den Papst in den Hintergrund verwiesen hatte. 
Rafael fertigte, wie es scheint, ausser einem nicht ganz vollstän- 
digen Entwurf für das Ganze des Saales, die Cartons für die Schlacht, 
für die Taufe und für die Schenkung Constantins; sodann für vielleicht 
sämmtliche Tugenden und theilweisc auch für die heiligen Päpste, 
wenn nicht für alle. Von der Decke gehört ihm nichts und von der 
Fensterwand nur ein Theil an. Die Sockelbilder, zum Theil sehr 
schön gedacht, sind jetzt wesentlich Marattafs Werk; ihre Erfindung 
wurde schon vor 200 Jahren dem Giulio zugeschrieben.  Rafael ge- 
dachte Alles in Öl, nicht a1 Freseo zu malen. Von seiner Hand aus- 
geführt, im Augenblick der Vollendung, wäre diess ein herrlicher An- 
blick gewesen; gewiss hiitte er die verschiedenen Gattungen der Bilder 
auf das Bedeutungsvollste im Ton auseinander gehalten. Allein mit 
der Zeit wäre vieles nachgedunkelt, wie die schon erwähnten (S. 911), 
bald nach seinem Tode und gewiss nach seiner Absicht ausgeführten 
beiden Allegorien beweisen. 
Die Ausführung des jetzt Vorhandenen gehört wesentlich dem 
Giulio Romano; von Franccsco Penni rührt die 'l'aufe, von Raffaelle 
dal Colle die Schenkung her. Die Decke ist eine späte Arbeit des 
Tommaso Laureti. 
Die Erscheinung des Kreuzes, mit Welcher wir beginnen, 
ist wohl nicht von Rafael entworfen. Die Gruppe der Soldaten ist 
sehr ungescheut aus dem Sturm auf Jericho in der zehnten Arcade 
der Loggien entlehnt und das Übrige, zum Theil ziemlich frivol, dazu 
componirt (z. B. der Zwerg). Man möge sich durch den Augenschein 
überzeugen. 
Dagegen ist die Schlacht Constantins, in Giulids hier vor- 
züglicher Ausführung, eines der grössten Lebensresultate Rafaeis. 
Man setze sich nur zuerst darüber ins Klare, was dieses Schlachtbild 
Sollte. Die Phantasie wird gewiss rascher aufgeregt durch ein Reiter- 
gewirr mit Farbencontrasten und Pulvcrdampf, welches nur Leben 
und verzweifelte Bewegung giebt, wie bei Salvator Rosa und Bour-
        

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