Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049326
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Rafael. 
halber weniger in die Augen fällt. Ob der Saracenensieg irgend eine 
allgemeinere Andeutung der Unwiderstehlichkeit der Kirche, oder eine 
Anspielung auf die damaligen tunisischen etc. Oorsaren enthalten soll, 
ist nicht auszumitteln. 
Endlich das berühmte Bild: Pincendio del borgo; der Auf- 
gabe nach das misslichste von allen: Leo IV löscht durch das Zeichen 
des Kreuzes eine Feuersbrunst in der Nähe der Peterskirche. Damit 
sollte die Allmacht des päpstlichen Segens symbolisirt werden. Mit 
diesem Ereigniss selber war gar nichts anzufangen, weil das Aufhören 
des Feuers an sich und vollends die Causalverbindung mit der Ge- 
berdc des Papstes sich nicht sinnlich darstellen liess. Rafael schuf 
statt dessen das stylgewaltigste Genrebild, welches vorhanden ist; 
die Darstellung der Fliehenden, Rettenden und hülflos Klagenden. 
Hier sind lauter rcin' künstlerische Gedanken verwirklicht, frei von 
der letzten historischen oder symbolischen Rücksicht, im Gewande 
einer heroischen Welt. Die höchste Wonne der freien Erfindung muss 
den Künstler dabei beseelt haben; die einzelnen Motive sind immer 
eines wunderbarer als das andere und ihr Zusammenwirken wiederum 
unvergleichlich. Ganz gewiss geht es bei einer Feuersbrunst in der 
Regel anders zu, allein für dieses heroische Mensehengcschlecht hätte 
z. B. die Liehteffektmalerei eines Van der Neer doch nicht hingereicht. 
Eigentlich brennt nicht der Borgo, sondern Troja; statt der Legende 
liegt das zweite Buch der Aeneidc zu Grunde. Doch darf man auch 
die schöne entfernte Gruppe um den Papst nicht übersehen. 
Die Sockelfigilrcn  Fürsten Welche dem römischen Stuhl be- 
sondere Dienste erwiesen  sind für ihre Stelle sehr glücklich ge- 
dacht, und mit Recht nicht als sklavenertige Karyatiden, sondern als 
frei thronencle Fürsten gegeben. Giulio führte sie nach Rfs Angabe 
aus; Maratta musste sie später neu malen. 
a Bei der Entscheidung über die Salm di Gostantino scheint 
Leo X- inne geworden zu sein, dass auf die bisherige Weise nicht 
Weiter gemalt werden dürfe. Mit dem Anspielen auf die eigene Person 
des Papstes war dem Künstler ein Zwang auferlegt, den er mit all 
seiner Grösse nicht kann vergessen machen. Man musste die Aufgabe
        

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