Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049237
Camera. della, Segnatura. 
913 
Es blieben nun für die Gemälde bloss historische Figuren übrig, 
denn der Gottvater und die Engel in der Dispute, die Musen im 
Parnass u. dgl. gelten doch wohl als solche. (Der obere Theil der 
Wand, welche der Jurisprudenz gewidmet ist, enthält allerdings noch 
eine Allegorie, allein in einem besondern Raum abgetrennt.) Alle Ge- 
stalten konnten nun gleichmässig, in einem und demselben Style be- 
lebt werden. 
Warum hat Rafael in dem Bilde der Gerechtigkeit nicht eine 
geistig angeregte Gemeinschaft berühmter Juristen dargestellt, wie er 
diess in den drei übrigen Bildern mit den Theologen, Dichtern und 
Weltweisen gethan? warum statt dessen zwei einzelne historische Acte 
der Gesetzgebung? Weil der mögliche Gegenstand einer „Disputa." 
von Juristen entweder nusserhalb des Bildes, d. h. unsichtbar geblie- 
ben wäre, oder, durch sachliche Beziehungen verdeutlicht, aus dem 
hohen idealen Styl hätte herausfallen müssen. 
Nach der Ausscheidung des Allegorischezi blieb also das Histo- 
risoh-Symbolische als Hauptgehalt der vier grossen Darstellungen übrig. 
Rafael hat hier ein wahrhaft gefährlieh-lockendes Vorbild hinge-- 
Stellt. Eine grosse Anzahl von Gemälden analogen Inhaltes sind seit- 
dem geschaffen worden, zum Theil von grossen Künstlern; sie erscheinen 
sämmtlich als von Rafael abhängig oder als ihm weit untergeordnet. 
Wesshalb? Gewiss nicht bloss weil es nur Einen Rafael gegeben hat. 
Er war von vornherein im Vortheil durch die Unbefangenheit in 
antiquarischer Beziehung. An sehr Wenige überlieferte Porträts ge- 
bunden, durfte er lauter Charaktergestalten aus sich selber sehaifen; 
in der Dispute. z. B. war die Tracht das einzige kenntlich machende 
Attribut, welches auch völlig genügte. Er musste nicht die Köpfe so 
und so stellen, damit man sie auf gelehrtem Wege verificiren könne. 
Diese grössere sachliche Freiheit kam durchaus der Composition nach 
rein malerischen Motiven zu Gute. Es sind fast lauter Gestalten einer 
mehr oder weniger entfernten Vergangenheit, die schon nur in ideali- 
sirender Erinnerung fortlebten i). 
 Über die Bedeutung der einzelnen Personen in den sämmtlichen Fresken fin- 
det man bei Platner, Beschreibung Roms, S. 113 III, gewissenhafte Auskunft. 
B. Ciccrone. 58
        

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