Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049215
Zimmer des Vaticans. 
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schöpfliehen Reichthum dieser Werke, bei der Unmöglichkeit, ihren 
Inhalt oder gar ihren Werth kurz in Worten darzulegen, beschränken 
wir uns auf eine Reihe einzelner Bemerkungen und vermeiden dabei 
im Ganzen dasjenige, was die Handbücher ergeben und was der An- 
blick von selbst lehrt. 
Die Räume exisürten schon und waren bereits theilweise (von 
Perugino, Soddoma u. A.) ausgemalt, als Rafael dafür berufen wurde. 
Sie sind von nichts weniger als musterhaftcr Anlage, sogar unregel- 
mässig (man beachte z. B. das Gewölbe der Camera della Segnatura) 
und in Betreff der Beleuchtung nicht günstig. Man besieht sie ge- 
wöhnlich Nachmittags; doch hat der Vormittag auch gewisse Vor- 
theile, und das Öffnen der hintern Fensterladen macht einen wesent- 
lichen Unterschied. 
Die Technik ist eine ausserordentlich verschiedene. Einer guten 
Autorität zufolge soll besonders die Disputa und die Schule von Athen 
in sehr vielen Partien al Secco übergegangen sein; doch sind es der 
Hauptsache nach siimmtlich Fresken; die beiden einzigen in Öl auf die 
Mauer gemalten Figuren der Justitia und Comitas im Saal Constan- 
tins wurden nicht, wie man sagt, von R. eigenhändig, sondern erst nach 
seinem Tode ausgeführt. Allein innerhalb des Fresco, sowohl dessen 
was der Meister als dessen was die Schüler malten, herrscht der 
stärkste Unterschied der Behandlung, oft im nämlichen Bilde. Rafael 
that sich nie genug und suchte der schwierigen Malweise stets neue 
Mittel der Wirkung abzugewinnen. Von den vier grossen Fresken 
der Stanze. d'Eliod0r0 ist jedes in einem andern Colorit durchgeführt; 
den Gipfel des Erreichbaren glaubt man zu erkennen in den unbe- 
sehädigten Thcilen der Messe von Bolsena, und doch wird Niemand 
den Heliodor und die Befreiung Petri in ihrer Art weniger vollkom- 
men gemalt nennen. 
 Die Erhaltung ist im Verhältniss zum Alter eine mittlere, aus- 
genommen die der Sockelbilder, welche Carlo Maratta im Wesentlichen 
neu malen musste, und einiger durch Risse schwer bedrohten Decken- 
bilder. Das grösste Unheil in den Hauptbildern ist durch stellenweises 
Putzen und besonders durch ganz rücksiclitsloses Durchzeichnen ent- 
standen. Die beste Weise, diesem zu begegnen, wäre die genaue, 
offizielle Aufnahme und Herausgabe aller Umrisse, wofür es hohe Zeit
        

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