Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049184
908 
Malerei des XVI. 
Jahrhunderts. 
Rafael. 
Leo X, mit den Cardiniilen de' Rossi und Giulio Medici. (Im 
aPalazzo Pitti.  Die Oopie des Andrea del Sarto im Museum von 
Neapel, vgl. S. 898 a, wird an Ort und Stelle noch immer für das Ori- 
ginal ausgegeben, während ausserhalb Neapels schon längst jeder 
Zweifel in dieser Beziehung verstummt ist.) Etwas über natürliche 
Grösse, sodass z. B. die nobeln Hände des Papstes nicht so klein 
scheinen, als sie im Verhältniss gemeint sind. Die Begleitung durch 
zwei Cardinäle schon bei frühern Papstbildnissen nachweisbar. Der 
Charakter Leo's X hier und in den Fresken gewährt eine merkwür- 
dige Parallele, was auch für Julius II gilt. Durch Lichtwechsel und 
Stoffbehandlnng bilden die vier verschiedenen Roth eine ganz harmoni- 
sche Scala. Hinten eine ernste Architektur. Die Zuthaten (Glocke, 
Buch, Vergrösserungsglas) leise, aber wesentliche Winke zur Charak- 
teristik. 
y Cardinal Bibbiena (im Pal. Pitti); das Verlebte und Kränk- 
liche grossartig und geistvoll gegeben; in der vornehmen Liebenswür- 
digkeit eine Parallele zu Van Dyekis Cardinal Bentivoglio (ebenda), 
welcher bei weitem absichtlicher erscheint. 
c Fe d ra In ghirami, ein römischer Prälat und Alterthumsforscher. 
(Pal. Pitti.) Der Thersites Rafaels; gegenwärtig würde er wie alle 
Schielenden entweder im Profil oder mit Übergehung des Schielens 1) 
gemalt werden; Rafael aber umging das Charakteristische nicht, son- 
dern gab dem starren Auge diejenige Richtung und Form, welche das 
geistige Forschen {auszudrücken im Stande war. Die starke Beleibt- 
heit ist möglichst edel dargestellt, die Hände nur die eines vornehmen 
Geistlichen. Wahrscheinlich ein Denkmal eollegialischer Achtung, aus 
der Zeit, als R. die römischen Alterthürner studirte. 
d „Bartolus und Baldus", richtiger: Navagero und Beazzano 
(Palazzo Doria in Rom). Zwei schwarzgekleidete Halbfiguren auf 
Einem Bilde; trotz neuerer Zweifel wohl unbedingt echt. Wer konnte 
zwei bedeutende Männer bewegen, sich zusammen malen zu lassen, 
wenn der Künstler nicht entweder ein Andenken für sich oder für 
einen Höhern, etwa für den Papst verlangte? Mehr als in den üb- 
 Guercino malte in seinem eigenen Porträt (Ufüzien) 
tiefsten Schalten. 
das 
eine 
in 
Auge 
den
        

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