Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049172
Transhguration. 
Porträts der römischen Zeit. 
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letzten Augenblick seines Lebens neue Mittel der Darstellung zu be- 
wältigen suchte. Als Künstler von Gewissen konnte er gar nicht an- 
ders. Wer ihm daraus einen Vorwurf macht und von „Abfall" redet, 
kennt ihn nach seinem innersten Wesen nicht. Das ewig grosse Schau- 
spiel, wie Rafael sich als Künstler consequent ausbildet, ist schon an 
sich mehr werth, als irgend ein verharren auf einer bestimmten Stufe 
des Idealen, z. B. auf dem Darstellungsprincip der Dispute, sein könnte. 
Und iiberdiess verharrt man nicht ungestraft; die nManier" Wartet schon 
vor der Thür. 
Von der Bestellung des Bildes wissen wir nichts Näheres. Es 
ist. möglich, dass Cardinal Giulio de' Medici nichts verlangte als einen 
Salvator mit S. Stephanus und S. Laurentius, und dass Rafael alles 
Übrige hinzuthat. Schon Fra Bartolommeo hatte in seinem herrlichsten 
Bilde (S. 882, c) den Salvator zwischen vier Heiligen von freien Stücken 
als den Auferstandenen dargestellt; Rafael stieg eine Stufe höher und 
gab den Verklärten. Eine Seite weiter im Evangelium steht die Ge- 
schichte von dem besessenen Knaben  welch ein Augenblick mochte 
das sein, da. dem Künstler der Gedanke an eine Verbindung beider 
Scenen aufging! 
Die Porträts der römischen Zeit Rafaels bilden eine Reihe 
ganz anderer Art als diejenigen des Tizian, des Van Dyck und An- 
derer, welche vorzugsweise als Portriitmalcr berühmt waren. Zwi- 
schen den grössten Historienbilclern und Fresken gemalt, sind sie in 
der Auffassung höchst verschieden; jedes trägt den Abglanz derjeni- 
gen Stimmung, welche in dem betreffenden Augenblick den Historien- 
maler beseelte. Bekanntlich war er auch in den Fresken nichts we- 
niger als sparsam mit Bildnissiiguren.  
Von den in Italien befindlichen Bildnissen ist zuerst zu nennen: 
Papst J ulius II. (Im Pal. Pitti; das Exemplar in der Tribune. dera 
Uffizien gilt als alte Copie, und ist es auch mit Ausnahme des Kopfes, 
dessen hohe Vortrefflichkeit wohl nur durch Ris eigene Arbeit sich 
erklären lässt.) Die malerische Behandlung ist Wunderbar schön und 
in aller Einfachheit reich; der Charakter so gegeben, dass man die 
Geschichte des gewaltigen Greises erst durch dieses Bild recht ver- 
stehen lernt.
        

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