Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049167
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Rafael. 
sieh bisweilen lange Jahrhunderte vergebens bemühen. Das Bild, 
welches sich die gläubige Phantasie von der Verklärung auf dem 
Berge Tabor macht, ist absolut nicht darstellbar, weil ein helles Leuch- 
ten der Gestalt, d. h. eine Aufhebung alles Schattens, also auch aller 
Modellirung des Körpers dabei vorausgesetzt wird; Rafael substituirte 
das Schweben i). Ferner wird die Verklärung ausschliesslieh als 
Maehtäusserung in Bezug auf die Anwesenden gedacht; Rafael dage- 
gen strebte nicht nach dem Ausdruck der höchsten Herrlichkeit, wel- 
cher am Ende in einer kalten Symmetrie erstarren müsste, sondern 
nach dem der höchsten Seligkeit; sein Christus ist ganz WVonne und 
damit schon von selbst herrlicher, als er durch den Ausdruck der 
Macht irgend hätte werden können; er ist es, selbst abgesehen von 
den colossalen Contrasten zu den befangenen Jiingern und gar zu der 
Scene des J ammers unten. Sein emporgeriehteter Blick erscheint durch 
die Vergrösserung und weite Distanz der Augen ausserordentlich ver- 
stärkt; Rafael ging hierin nicht weiter als die Griechen auch, bei 
welchen ziemlich oft die Normalbildung irgend einer charakteristischen 
Schärfung weichen muss 2).  Wem nun dieser Christus noch immer 
nicht genügt, der suche erst darüber ins Klare zu kommen, woran es 
fehle, und Was man von der Kunst überhaupt verlangen dürfe. Es 
ist möglich, dass in manchen Gernüthern z. B. der Weltricliter des 
Orcagna, der Oristo della moneta Tizians, der Christus in Rafaels 
Disputa andere und stärkere Saiten des Gefühls berührt, tiefere Ideen- 
folgen erweckt, allein für eine Verklärung auf Tabor gab der Meister 
hier eine so hohe Form, dass wir froh sein müssen, ihm irgendwie 
folgen zu können.  Die Ausführung gehört in der untern Hälfte wohl 
fast ganz den Schülern an, entspricht aber gewiss im Ganzen Rfs 
Absicht, mit Ausnahme natürlich der nachgednnkelten Schatten. Die 
ungemeine Kraft der Farbe, verbunden mit der fast venezianischen 
Harmonie wenigstens in der obern Gruppe, zeigt, dass R. bis zum 
li 
1') Noch hei Giomßellini, in jenem wichtigen Bilde (S. 827, h) des Museums von 
Neapel, sind Christus, Moses und Elias auf dem Berge stehend dargestellt. 
1) Eine ähnliche Behandlung der Augen kommt auch in der sixtin. Madonna vor, 
sonst aber vielleicht bei R. nirgends; er sparte solche Mittel für die äusser- 
sten Fälle. In einem der heiligen Diacone auf der Transügurnlion rührt 
diese Bildung wohl von der Hand eines Schülers her.
        

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