Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049156
Die h. Cäcilia. 
Die Transßguration. 
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eine der grossartig schönsten Figuren Rafaels. Die wahren Grenzen, 
innerhalb welcher die Inspiration Mehrerer darzustellen ist, sind in 
diesem Bilde mit einem Takt festgehalten, welcher den spätern Pfingst- 
festmalern völlig fremd ist. 
(Leidlich erhalten und restaurirt, mit Ausnahme der roh über- 
malten Luft. Hr. Alboresi in Bologna besitzt eine Wiederholung dera 
Hauptfigur, welche von glaubwürdiger Seite als erste, höchst vortreff- 
liche Probe von Rafaels eigener Hand bezeichnet wird.) 
Das dritte Gemälde, das letzte Rafaels, welches er unvollendet 
hinterliess (1520), ist die 'l'ransfiguration, in der vatieanischenb 
Galerie. Hier wird durch einen dramatischen Gegensatz, deniman 
ungeheuer nennen darf, das Übernatürliche viel eindringlicher darge- 
stellt als alle Gloricn und Visionen der ganzen übrigen Malerei diess 
vermocht haben. Allerdings sind zwei ganz verschiedene Scenen auf 
dem Bilde vereinigt, ein Wagestück, das wahrlich nicht Jedem zu rathen 
wäre; es geschah eben nur hier und nur zu diesem Zwecke. -Unten 
am Berg die Leute, welche den besessenen Knaben gebracht haben, 
und die Jünger, rathlos, mitleidig, aufgeregt, selbst im Buch nach 
Hülfe suchend, auch lebhaft empordeutend nach dem Berg, auf wel- 
chen ihr Meister gegangen; der Besesscne selbst vor Allem merkwür- 
dig als eine der wenigen Gestalten aus dem Gebiete der Nacht, die 
Rafael geschaffen und die beim entsetzlichsten Ausdruck doch seine hohe 
hliissigung so glanzvoll verriith; die jammernde Frau auf den Knieen 
vorn ist gleichsam ein Reflex des ganzen Vorganges. 
Niemand von ihnen allen sieht was auf dem Berge vorgeht und 
der Bibeltext erlaubte es auch gar nicht; die Verbindung beider Scenen 
existirt nur im Geiste des Beschauers. Und doch wäre die eine ohne 
die andere unvollständig; es genügt, die Hand vor die obere oder vor 
die untere zu halten, um zu erkennen, wie sehr das Gemälde ein 
Ganzes bildet.  Oben schwebt Christus, und wie durch eine mag- 
netische Kraft zu ihm hingezogen schweben auch Moses und Elias; 
ihre Bewegung ist keine selbständige. Unten liegen die geblendeten 
Jünger und links erblickt man die heil. Diacone Stephanus und Lau- 
rentius, wahrscheinlich nur als Patrone der Kirche, für welche das 
Bild ursprünglich bestimmt war.  Form und Ausdruck des Christus 
Sprechen eines jener grossen Geheimnisse der Kunst aus, um Welche
        

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