Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049123
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Rafael. 
vollends irdisch wirklich. Ein Gemälde, das schon seiner Gattung 
nach  als Proeessionsfahne  eine Ausnahme bilden mochte (wie 
diese bei der sixtin. Mad. mit Wahrscheinlichkeit angenommen wird), 
darf indess nicht als Norm für Altarbilder dienen. 
Von der Madonna. del pesce, welche mit so manchem Mei- 
sterwerk unter den spanischen Vicekönigen aus Neapel nach Spanien 
akam, findet man in S. Paolo zu Neapel (im Durchgang aus der Kirche 
zur Saeristei) noch eine alte Copie. In dieser höchst liebenswürdigen 
Composition ist Maria wieder in die Mitte der Heiligen herabgeriiekt, 
wie in der Mad. del baldacehino, aber die hohe Auffassung der For- 
men, der reine Schwung der Composition zeugt von der spiitern, voll- 
endeten Epoche des Meisters. 
So hat denn Rafael, mit einziger Ausnahme der sixtinischen Ma- 
donna, überall in seiner Maria nur das Weibliche nach allen Kräften 
verklärt und es darauf ankommen lassen, ob man die Mutter Gottes, 
die Königin der Engel, die mit allem Glanz der Mystik gefeierte Her- 
rin des Himmels darin erkennen Werde oder nicht. Er ist immer so 
wenig symbolisch als möglich; seine Kunst lebt nicht von Beziehun- 
gen, die ausserhalb der Form liegen,  so sehr ihm auch das Sym- 
bolische da zu Gebote stand, wo es hingehört, wie die Fresken im 
Vatiean zeigen. Auch sein Christuskind ist mit einziger Ausnahme 
des grandios unheimlichen Knaben auf dem Arm der sixtin. Madonna. 
nur der reinste Hauch kindlicher Schönheit. Italien ist reich gesegnet 
in dieser Hinsieht, sodass dem Maler oft nur die Wahl schwer fällt, 
und seit Lippe Lippi imd Lnca della Robbia hatte die Kunst uner- 
müdlich naeh der höchsten Beseelung der Kindesgestalt gestrebt; Ra- 
fael kam und zog das Resultat. Sein Christus- und sein Johanncskind 
zeigen mit Ausnahme der frühsten, peruginisch-sentimentalen Bilder 
nichts als das schönste Jugendleben, dessen gesunde Äusserung indess 
nur bis an die Grenzen des Schalkhaften verfolgt wird und erst bei 
Giulio Romano (anderwärts bei Andrea del Sarto) in das Muthwillige 
übergeht, um endlich bei spätem Generationen in das Süssliche zu 
fallen. 
Dieses blosse schöne Dasein, welches das Wesen des Kindes ist, 
hört auf mit der ersten 'l'hätigkeit. Es giebt von R. keine Darstellung
        

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