Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049101
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Rafael. 
naissanceprunkdder Florentiner, ausgeprägt in den höchsten Formen 
und Linien. 
Theilweise von R. componirt und auch ausgeführt ist die Ma- 
adonna dell' Impannata (d. h. des Tuchfensters) im Pal. Pitti. 
Waren vielleicht Maria, Elisabeth, die junge Frau links und das Kind 
ursprünglich zu einem Rundbilde entworfen, welches sich abwärts 
etwa bis zum Knie der Elisabeth erstreckt hatte? (wobei das Stehen 
der Maria auf einem andern Plan als die übrigen nicht so anfallen 
würde)  oder welches Atclier-Geheimniss waltet hier 0b ? Der ganz 
ausserhalb der Gruppe sitzende Johannes ist jedenfalls ein späterer 
Gedanke, wenn ihn auch Rafael selbst vorgezeichnet haben mag. Über 
die Theile, die er gemalt hat, herrscht ein Streit, welchen Andere 
schlichten mögen. Der Moment ist einer der liebenswürdigsten; die 
beiden Frauen haben das Kind gebracht und überreichen es der Mut- 
ter; während der Knabe sich noch lachend nach ihnen umwendet, 
fasst er kräftig das Kleid der Maria, welche zu sagen scheint: „Seht, 
er will doch am liebsten zu mir." 
h Feierlicher ist die Scene in der Madonna col divino amore 
(Museum von Neapel). Elisabeth wünscht dass das Christuskind den 
kleinen links knieenden Johannes segne und führt diesem sachte die 
Hand; Maria betet wie bestatigend dazu; mit Recht hat sie das auf 
ihrem Knie sitzende Christuskind losgelassen, denn wer segnen kann, 
der kann auch fest sitzen 1). Gerade an Zügen dieser Art ist die 
spätere Kunst so arm!  Die Ausführung gilt überwiegend als Schü- 
lerarbeit. 
c Ganz in der Nähe hängt Giulio Romanois Madonna della 
Gatte, eine in seinen Styl übersetzte Wiederholung des nach Madrid 
gekommenen Bildes „la perle" von Rafael. Was der Schüler hinzu- 
gethan hat, ist lauter Entwcihrmg, die Katze, die Umbildung der 
Elisabeth zur Zigeunerin, mehrere andere Zuthaten.  Ähnlich ver- 
dhiilt es sich mit Giulio's Madonna dclla lucertola (Pal. Pitti), 
nur dass hier wahrscheinlich schon das für rafaelisch geltende Origi- 
1) Eben so richtig hat diess z. B. der Bildhauer Alcssandro Leopardo empfun- 
 den  wenn die Madonna della Scarpa in S. Marco zu Venedig (S. 626) 
von ihm ist. Das auf ihrem rechten Knie sitzende Kind schickt sich eben 
zum Segnen an, und sie lässt die Hände von ihm los.
        

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