Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049089
898 
Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Rafael. 
WO er die zwölf noch übrigen Jahre seines kurzen Lebens hindurch 
jene unbegreiflich reiche Thiitigkeit entfaltete, die als moralisches 
Wunder einzig dasteht. Nicht die Höhe des Genies, sondern die Ge- 
walt der "Willenskraft ist das grösste daran; jene hätte ihn nicht vor 
der Manier geschützt; diese War es, die ihn nie auf den Lorbeern 
ausruhen, sondern stets zu höhern Ausdrueksweisen ernporsteigen liess. 
 Die grosse Menge der Aufträge, der Ruhm und die alles über- 
treffende Schönheit der WVerke sammelten bald eine Schule um Ra- 
fael; dieser musste er in der spütern Zeit die Ausführung selbst ganzer 
grosser Unternehmungen überlassen; es waren Menschen der ver- 
schiedensten Anlage, zum Theil geringe Charaktere, aber so lange 
der gewaltige Abglanz von der Gestalt des Meisters auf ihnen ruhte, 
schufen sie in seinem Geist. Ihre baldige Ausartung nach seinem 
Tode zeigt noch einmal von der Kehrseite, was Er gewesen sein muss. 
Wir beginnen mit den noch in Italien vorhandenen Staffeleibildern, 
welche trotz der inzwischen eingetretenen Gewöhnung des Meisters 
an die Frescomalerei ihren besoudern Charakter vollkommen hei- 
behalten, sodass in ihnen gerade die höchsten Aufgaben der Ölmalerei, 
die in Ris Bereiche lagen, gelöst sind. Als gewissenhaftester aller 
Künstler that er sich auch in der Technik nie genug. TVenn man 
aber von ihm die Farbengluth Tizians undRlas Helldunkel Coreggids 
verlangt, so zeigt diess ein gänzliches Verkennen seines wahren 
Werthes. Keines seiner Gemälde würde durch das Hinzukommen 
dieser Eigenschaften irgend Wesentlich gewinnen, weil keines darauf 
gebaut ist- Was man dagegen wohl bedauern darf, ist das spätere 
Nachsehwärzen seiner Schatten, die im Augenblick der Vollendung ge- 
wiss viel lichter waren. Den Beweis liefert z. B. Andrea del Sartds 
a Copie nach dem Bildniss Leo's X, Welche sich im Museum von Neapel 
befindet; mit chemisch günstigem Farben in den Schatten ausgeführt, 
zeigt sie, wie das Original (im Pal. Pitti) ursprünglich gßStimmt ge- 
wesen sein muss. 
Die Madonnen dieser römischen Zeit sind grösstentheils im Aus- 
lande. Von der Madonna di Casa d'Alba, einem Rimdbilde mit ganzen 
bFiguren in einer Landschaft, enthält z. B. die Galerie Borghese eine
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.