Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049058
Madonnen seiner späten-n florentinisohen Zeit. 
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in einem irdischen Beginnen befangen erweisen, der übrigen nicht zu 
gedenken. Rafael hat schon durch den architektonischen Ernst seiner 
Gruppenbildung einen Vorsprung, noch mehr aber durch den hohen 
Ernst der Form, welcher ihn von allen bloss zufälligen Zügen des 
Lebens fern hielt. Der Intention nach will seine Madonna nicht mehr 
sein als ein schönes Weib und eine Mutter, wie bei den Florentinern 
auch; seine Absicht ist (die eigentlichen Gnadenbilder ausgenommen) 
nicht erbaulieher als die der letztern; Wenn man dennoch das Höchste 
darin findet, so muss diese andere Gründe haben. 
Die Antwort liegtin der Madonna del Cardellino (in dera 
Tribuna der Ufüzien; die als Gegenstück aufgestellte Madonna del 
pozzo scheint von einem Niederländer oder Luechesen nach rafaelischen 
Erinnerungen gearbeitet). Die einfachste denkbare Pyramidalgrnppe, 
durch das Überreichen des Häinilings massig belebt; man wird viel- 
leicht in den reizenden Formen, dem reinen Ausdruck den vollen 
Werth des Bildes suchen; dieselben würden aber Weniger wirken, ja 
vielleicht verloren gehen, ohne die haarscharf abgewogene Harmonie 
der einzelnen Theile in Form und Farbe. Bei Rafael wirkt immer 
das Einzelne so stark und unmittelbar, dass man darin das Wesent- 
liche zu finden glaubt, Während doch der Reiz des Ganzen unbewusster 
Maassen das Bestimmende ist. 
Die höhere Stufe der Mad. del Cardellino ist dann die bekannte 
Belle Jardiniere im Louvre. 
Ein Rüthsel bleibt die Madonna del Baldacchino im Pal.b 
Pitti. Rafael liess sie bei seiner Abreise nach Rom unvollendet; spä- 
ter, als sein wachsender Ruhm dem Bilde eine neue Aufmerksamkeit 
zuwandte, wurde, man weiss nicht durch wen, daran weiter gemalt. 
Endlich liess Ferdinand, Sohn Cosimo's III, dasselbe etwa um 1700 
durch einen gewissen Cassana mit einem Anschein von Vollendung 
versehen, hauptsächlich mittelst brauner Lasuren. Die ungemein schöne 
Anordnung des Kindes zur Madonna (z. B. die Begegnung der Hände), 
die im grossartigen Styl des Frate zusammengestellten Figuren links 
(S. Petrus und S. Bernhard) gehören wohl Rafael an; vielleicht auch 
der Oberkörper des Heiligen mit dem Pilgerstab rechts; dagegen 
möchte der heil. Bisehofrechts von ganz fremder Hand dazu com- 
ponn-t sein. Die beiden köstlich improvisirten Putten an den Stufen
        

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