Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1049033
Seine peruginische und erste üorentinische Zeit. 
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den Heiligen sehen uns vier, fünf Maler verschiedener Schulen neckend 
entgegen. 
Rafael liess sich nicht zerstreuen. Er fand unter den ilorentinisehen 
Malern wie es scheint sehr bald denjenigen, welcher ihn gerade in 
seiner Weise am meisten fördern konnte: den grossen Fra Bartolom- 
meo, der nicht sehr lange vorher nach mehrjähriger Unterbrechung 
sich von Neuem der Malerei zugewandt hatte. Dieser war meistens 
mit ähnlichen Aufgaben beschäftigt, wie die Schule von Perugia, näm- 
lich mit Gnadenbildern, nur löste er malerisch was diese ungelöst 
liess; er stellte seine Heiligen und Engel nicht bloss symmetrisch 
neben und durcheinander, sondern er bildete aus ihnen wahre Grup- 
pen und belebte sie durch Contraste und durch grandiose körperliche 
Entwicklung. Sein Einfluss auf Rafael war bestimmend; die Ab- 
rechnung zwischen beiden möchte wohl das Resultat geben, dass Ra- 
fael ihm die wesentlichste Anregung zur streng-architektonischen und 
dennoch ganz lebendigen Compositionsweise verdankt habe. (Er hat 
später, vgl. S. 881, d, auf den Frate zuriiekgewirkt.) 
Die frühste Äusserung dieses Einflusses erkennlfman in dem 
Frescobilde Womit Rafael 1506 eine Capelle des Klosters S. Se-il 
vero in Perugia schmückte. Die Verschiebung des Halbkreises von 
Heiligen, welche auf Wolken thronen, geht schon weit über den pe- 
ruginisehen Horizont; hier ist nicht bloss Abwechselung der Charaktere 
und Stellungen, sondern höherer Einklang und freie Grösse. Der 
Contrast der obern peruginischen und der untern llorentinischen Engel 
Spricht noch deutlich die damalige innere 'l'heilung des Künstlers aus. 
In seinen Tafelbildern (vermutlilich) aus den Jahren 1504-1506 
hat er noch mehr von der friihern Art an sich, so in der Madonna 
mit 4 Heiligen und der dazu gehörenden obern Lunette im königLh 
Schloss zu Neapel, auch noch in der Madonna del Granduca l).ß 
Die Letztere hat noch ganz die stumpfe, befangene Draperie Peru- 
ginds, ist aber im hohen Ausdruck des Kopfes und in der schönen 
Anordnung des Kindes schon eine der grössten Machtäusserungen von 
Als Privatbesitz des Grossherzogs von Toscana ist. sie hauptsächlich bei An- 
lass des Copireus in einem der Säle der Galerie Pitti zu sehen. Den Som- 
mer hindurch ist diess am häufigsten der Fall.
        

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