Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048973
Fresken. 
Annunziata; S. Salvl; Scalzo. 
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seitab.) Der Moment ist der, dass Christus ein Stück Brod ergreift, 
um es in die Schüssel zu tauchen, während auch Judas, allein von 
Allen, bereits ein Stück Brod in der Hand hält. Die Charaktere sind 
nobel und kräftig aus dem Leben gegriffen, aber von der Hoheit der- 
jenigen Lionardo's weit entfernt, welche Jeder eine ganze Gattung 
von Ausdruck gleichsam in der höchsten denkbaren Spitze darstellen. 
Auch hat A. der (allerdings aussererdentlich grossen) malerischen 
Wirkung zu Liebe seinen Leuten sehr verschiedene, zum Theil nichts 
weniger als ideale Gewänder gegeben; eine Abwechslung, deren 
schönen Erfolg das Auge empfinden kann lange bevor es sie bemerkt. 
Unbeschreiblich lebendig ist hier wie bei Lionardo das Spiel der 
Hände, welche allein schon ausdrücken, wie Christus den fragenden 
Johannes beruhigt, wie Petrus jammert, wie dem Judas zugesetzt 
wird. (Bestes Licht: Nachmittags.)  Franeiabigio hat in diesem 
Gegenstande (Abendmahl im Refectnrium von S. Giovanni della Calzaa 
in Florenz) den Meister bei WVeitem nicht erreicht. 
Den Höhepunkt von Andrea's Colorit und Vortrag im Fresco 
bezeichnet nusser diesem Abendmahl auch die Madonna del Sace0,h 
in einer Lunette des Kreuzgangs der Annunziata. 
Endlich aber giebt es eine Reihe einfarbiger Fresken, braun in 
braun, von seiner Hand, in dem kleinen Hof der Brüdersehaft delloc 
Scalzo (unweit S. Marco). Der Gegenstand ist das Leben des Täu- 
fers. Mit Ausnahme einiger frühen und zweier von Franciabigio 
ausgeführten sind siirumtliehe Conipositionen bei aller Unscheinbarkeit 
von den mächtigsten und freisten Schöpfungen der reifen Zeit An- 
drea's. Das ängstlich Architektonische der frühern Fresken in der 
Annunziata ist hier durch lauter Geist und Leben überwunden. Die 
Grenzen der Gattung, welche alle feinere Physiognomik, allen Farben- 
reiz aussehloss, scheinen den Meister erst recht gereizt zu haben, sein 
Bestes zu geben. Unter den frühem ist die 'l'aufe des Volkes durch 
Johannes die höhere (und höchste) Stufe der bekannten Freske Ma- 
Saccids; unter den Spiitern haben die Heimsuchung, die Enthaup- 
tung, sowie die Überbringung des Hauptes den Vorzug; unter den 
allegorischen Figuren die Caritas, welche das Bild im Louvre Weit 
übertrifft.  Aus dieser Inspiration ist auch jene kleine geistvolle Pre- 
della mit den Geschichten von vier Heiligen in der Academie gemalten
        

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