Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048898
Einzelne Compositionen. 
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 Von der Pieta und dem Cruciiixus weiss ich kein Exemplar in 
ital. Sammlungen anzugeben, ebensowenig von den berühmten mytho- 
logischen Compositionen: Ganymed, Leda, Venus von Amor geküsst; 
von letzterer soll eine Wiederholung im Museum von Neapel sein  
Einen höhern Rang nehmen natürlich solche Bilder ein, welche 
Michelangelo unter seinen Augen ausführen liess, hauptsächlich durch 
Sebastian dal Piombo. Das wichtigste derselben, die Erweckung des 
Lazarus, befindet sich in London;  dann folgt die Geisselungb 
Christi in S. Pietro in montorio zu Rom (1. Cap. r. in Öl auf die 
Mauer gemalt); hier ist das Unleidliche gross gegeben, die bewegten 
Schergen heben die duldende Hauptfigur unbeschreiblich wirksam hervor. 
Die umgebenden Malereien sollen ebenfalls nach Mfs Entwürfen aus- 
geführt sein. (Eine gute kleine Wiederholung im Pal. Borghese.)  v 
Endlich wird bei der Kreuzabnahme des Daniele da Volterrad 
in Trinita de' monti (l. Cap. l.) immer der Gedanke erwachen, dass 
Michelangelo das Beste daran erfunden habe, indem alle übrigen Werke 
des Daniele erstaunlich weit hinter diesem zurückstehen. Gar zu wun- 
derbar schön ist das I-Ieruntersinken des Leichnams, um welchen die 
auf den Leitern Stehenden gleichsam eine Aureola bilden; gar zu vor- 
trefflich motivirt und vcrtheilt sind die Bewegungen der Letztem. 
Auch die untere Gruppe um die ohnmächtige Madonna ist vorzüglich, 
setzt aber schon das pathologische Interesse an die Stelle des rein 
Tragischen. (Das ganze Bild stark verletzt und restanrirt.) 
Eine eigentliche Schule hat Michelangelo nicht gehabt; er führte 
seine Fresken ohne Gehülfen aus. Denjenigen, welche sich (meist in 
seiner spätesten Zeit) auf irgend eine "Weise an ihn ansehlossen, Wer- 
den wir unter den Manieristen wieder begegnen. Sein Beispiel jvvar 
auch in der Malerei das verhängnissvollste. Niemand hätte Das wollen 
dürfen, was er gewollt und mit seiner riesigen Kraft durchgeführt 
hatte; Jedermann aber wünschte doch solche Wirkungen hervorzu- 
bringen wie Er. Als er starb waren alle Standpunkte in den stimmt- 
lichen Künsten verrückt; Alle strebten ins Unbedingte hinaus, weil 
1) Von den gemalten Porträts des M. ist dasjenige in der capitoliniscben Galc- ß 
rie (laut Platner von lilarcello Vcnusti) wohl das beste. Dasjenige in den M 
Uüizien scheint eine unbedeutende Arbeit des XVII. Jahrh. zu sein.
        

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