Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048852
Gewölbe der sixtinlschen Capelle. 
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vom Traum erweckte J esajas; J onas mit dem Ausdruck eines wieder- 
gewonnenen mächtigen Lebens; die Sibylla delphica, welche schon die 
Erfüllung ihrer Weissagung vor sich zu sehen scheint  von allen 
Gestalten des Meisters diejenige , welche Gewaltigkeit und Schönheit 
im höchsten Verein offenbart.  Abgesehen von der innern Bedeu- 
tung ist durchgängig genau auf die Gewänder zu achten, welche von 
der idealen Aposteltracht durch eine absichtliche (orientalische) Nuance 
unterschieden, überaus schön geschwungen und gelegt, und in voll- 
komrnenstem Einklang mit Stellung und Bewegung sind, sodass jede 
Falte ihre (vielleicht hie und da zu bewusst berechnete?) Oausalität 
hat.  (Gewisse dumpfe 'I'öne der Oarnation waren Michelangelo 
eigen und finden sich auch auf seinem einzigen Tafelbilde, wovon 
unten, wieder.) 
Von den Vorfahren Christi zeigen diejenigen in den Lunetten 
die leichteste ltieisterschaft in monumentaler Behandlung des ungün- 
stigsten Raumes. Geschichtlos, wie die meisten derselben sind, existi- 
ren sie hloss in Beziehung auf ihren göttlichen Abkömmling und zeigen 
Vdesshalb den Ausdruck des ruhigen, gesammelten Harrens. Schon hier 
kommen einige Wunderbar schöne, einfache Familienscenen vor.  
In diesem Betracht sind aber einzelne Darstellungen in den dreieckigen 
Gewölbekappen vielleicht noch ausserordentlicher; ja es findet sich 
unter diesen auf der Erde sitzenden Eltern mit Kindern mehr als Ein 
Motiv des höchsten Ranges, obwohl der Ausdruck nirgends die In- 
nigkeit oder sonst irgend einen activen Affcct erreicht. 
Dieses ist die Stiftung Papst Julius II. Mit Anspornen und Nach- 
geben, mit Streit und mit Güte erhielt er was vielleicht kein Anderer 
von Michelangelo erhalten hätte. Sein Andenken ist in der Kunst ein 
hochgesegnetes.  
Viele Jahre später (1534-1541) unter Papst Paul III malte 
Michelangelo an der Hinterwand der Capelle das jüngste Gerichte 
Man muss zuerst darüber im Klaren sein, ob man überhaupt die 
Darstellung dieses Momentes für möglich und wiinschbar hält. So- 
dann, ob man irgend eine Darstellung würdigen kann, welche nicht 
durch einen sofortigen Hauptschlag, z. B. einen raffinirten Lichteiiect 
(in Martin's Manier) die Phantasie gefangen nimmt; schon die Aus- 
führung inFresco verbot diese hier. Endlich, ob man die physischen
        

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