Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048834
Gewölbe der sixtiuischen Capelle. 
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belebten, persönlich gewordenen Kriifte der Architektur" genannt wor- 
den sind, liess er durch den ganzen Organismus hin immer so und 
immer da auftreten,'wie und wo sie nöthig waren. Unter den Pro- 
pheten und Sibyllen sind es derbe Kindergestalten in Naturfarbe, 
welche die Inschrifttafeln hoch in den Händen tragen oder sie mit 
dem Haupte stützen. An beiden Seitenpfosten der Throne der Pro- 
pheten und Sibyllen sieht man je zwei nackte Kinder, Knabe und 
Mädchen, in Steinfarbe welche die Sculptur nachahmt. Über den 
Gewölbekappen oberhalb der Fenster nehmen liegende und lehnende 
athletische Figuren in Bronzefarbe die Bogenfüllung ein. Letztere sind 
je zu zweien fast symmetrisch angeordnet, überhaupt am strengsten 
architektonisch gedacht. Zuletzt, wo von beiden Seiten die eolossalen 
Gesimse sich nähern und Raum lassen für die Reihe der Mittelbilder, 
sitzen auf Postamenten nackte männliche Figuren in natürlicher Farbe, 
je zweie halten die Bänder, an welchen der zwischen ihnen befind- 
liche Medaillen von Erzfarbe mit Reliefs befestigt ist; einige tragen 
auch reiche Laub- und FruchtgeVSYinde. Ihre Stellungen sind die frei- 
sten und leichtesten; sie tragen nichts, weil es dort nach der idealen 
Rechnung nichts mehr zu tragen giebt, weil überhaupt die architekto- 
nischen Kräfte nicht schlechtweg vcrsinnlicht, sondern poetisch sym- 
holisirt werden sollten. (lriaryatiden oder Atlanten, Kopf gegen Kopf 
gestemmt, wären z. B. eine Xlersinnlichting gewesen.) Diese sitzenden 
Gestalten, isolirt betrachtet, sind von einer solchen Herrlichkeit, dass 
man sie für die Lieblingsarbeit des Meisters in diesem Raum zu halten 
versucht ist. Aber ein Blick auf das Übrige zeigt, dass sie doch nur 
zum Gerüste gehören. 
In vier grössern und fünf kleinern viereckigen Feldern, der Mitte 
des Gewölbes entlang, sind die Geschichten der Genesis dar- 
gestellt. Zuerst unter allen Künstlern fasste Michelangelo die Schöpfung 
nicht als ein blosses Wort mit der Geberde des Segens, sondern als 
Bewegung. So allein ergaben sich für die einzelnen Schöpfungs- 
akte lauter neue Motive. In erhabenem Fluge schwebt die gewaltige 
Gestalt dahin, begleitet von Genien, welche derselbe Mantel mit um- 
Wallt;  so rasch, dass ein und dasselbe Bild zwei Schöpfungsßktß 
(für Sonne und Mond und für die Pflanzen) vereinigen darf. Aber 
der höchste Augenblick der Schöpfung (und der höchste Michel-
        

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