Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048826
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Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Michelangelo. 
vergessen machen, dass gewisse Schulterbreiten, Ilalsliingen u. a. 
Bildungen willkürlich und im einzelnen Fall monströs sind. Auge- 
sichts der Werke selbst wird man allerdings immer geneigt sein, dem 
Michelangelo ein eigenes Recht und Gesetz neben dem aller übrigen 
Kunst zuzugestehen. Die Grösse seiner Gedanken und Gedanken- 
reihen, die freie Schöpferkraft, mit welcher er alle denkbaren Motive 
des iiussern Lebens ins Dasein ruft, machen das Wort Ariosfs er- 
klärlich: Michel piu ehe mortale angel divino. 
Von seinem ersten grossen Werke, jenem im "Wetteifer mit Lio- 
nardo geschaffenen Carton für den Palazzo vecehio  ebenfalls Scenen 
aus der Schlacht von Anghiari  sind nur dürftige Erinnerungen auf 
unsere Zeit gekommen. Baccio Bandinelli hat denselben aus Neid 
zerschnitten.  
In der Bliithe seiner Jahre unternahm Michelangelo die Ausmalung 
ades Gewölbes der sixtinischen Capelle in Vatican (etwa 
1508-1511; von Welcher Zeit die durchaus eigenhändige Ausführung 
22 Monate in Anspruch nahm). (Bestes Lieht: 10-12 Uhr.) Die 
Aufgabe bestand in lauter Scencn und Gestalten des alten 'l'estamen- 
tes, mit wesentlichem Bezug auf dessen Verheissung. Er stufte die- 
sen Inhalt vierfach ab: in Geschichten,  in einzelne historische Ge- 
stalten,  in ruhendelGruppen,  und in architektonisch belebende 
Figuren. Die Geschichten, welche ein Dasein in einem perspectivisch 
bestimmten, nicht bloss idealen Raum verlangen, vcrtheilte er an die 
mittlere Fläche des Gewölbes. (Eine Ausnahme machen die vier auf 
sphärische dreiseitige Flächen gemalten Eckbilder der Capelle, welche 
die wunderbaren Rettungen des Volkes Israel vorstellen: die Ge- 
schichten der ehernen Schlange, des Goliath, der Judith und der 
Esther. So Wunderbar aber das Einzelne, zumal in der Scene der 
Judith, gedacht und gemalt sein mag, so findet sich doch das Auge 
an diesen Stellen schwer in das Historisch-Räumliche hinein.)  Die 
Propheten und Sibyllen mit den sie begleitenden Genien erhielten ihre 
Stelle an den sich abwärts rundenden Theilen des Gewölbes;  die 
Gruppen der Vorfahren Christi theils an den Gewölbekappen über 
den Fenstern, theils in den Lunetten welche die Fenster umgeben- 
Diese Theile sind sämmtlich nach einem idealen Raumgcfühl com- 
ponirt. -Die_jenlgen Figuren endlich, welche schon sehr yassend „die
        

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