Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048720
862 
Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
Lionardo. 
Streben nach vollendeter Modellirung nie genug thun konnte, hat bis- 
weilen, und so auch hier, Farben gebraucht, die später in die Schat- 
ten z. B. grünliche Töne brachten. Allein die hohe geistige Anmuth 
in Kopf und Haltung, die Schönheit der Hand bezeichnen recht deut- 
lich die Zeit, welche die Gabe der Charakteristik nunmehr in der 
höchsten Richtung anwendet. 
, Ebenda: der Goldschmied. Ein unendliches Detail (die Partien 
um den Mundl); die Augenlieder und das geistreich kriinkliche Aus- 
sehen verrathen den Feinarbeiter; ganz wunderbar durchdringt sich 
damit der wesentlich lionardeske Charakter, den der Maler in dem 
Kopfe fand oder hincinlegte. 
1, In den Uffizien: der Kopf eines jungen llilannes, von vorn. Wie- 
derum unendlich wahr und trotz der viel grössern Verschmelzung der 
Töne wahrscheinlich echt.  Ebenda, aus ungleich späterer Zeit, das 
höchst grandiose, meisterlich ins Licht gestellte eigene Porträt 
Lionardds; weit der grösste Schatz der berühmten Sammlung von 
Malerbildnissen. 
c In der Ambrosiana zu Mailand: das entweder unvollendete oder 
verwaschene Porträt des Lodovieo Moro und das Protilbild seiner 
Gemahlin, letzteres nicht ganz freudig gemalt; ausserdem einige Pa- 
stellköpfe, unter welchen das reizvolle Bildniss einer Dame mit nie- 
dergeschlagenen Augen. 
Die übrigen Porträts befinden sich im Ausland. 
Nach diesen Werken, über welchen sein Ideal nur wie ein Duft 
schwebt, mögen diejenigen kleinern Arbeiten folgen, in Welchen sich 
dasselbe rückhaltlos offenbart. Vorbereitet war es schon in den ju- 
gendlichen Köpfen Verocchids (S. 602); aber erst bei Lionardo er- 
reicht es seinen vollen Zauber: der lächelnde Mund, das schmale 
Kinn, die grossen Augen, bald strahlend von Fröhlichkeit, bald leis 
umsehleiert von einem sanften Schmerz. Conventionelle Mienen kom- 
men im ganzen XV. Jahrh. vor; hier zuerst handelt es sich aber um 
einen Ausdruck, welchen ein grosser Meister als sein Höchstes giebt. 
Unläugbar einseitig und der Veräusserlichung unterworfen, aber durch- 
aus zwingend. 
Die Madonnen, heiligen Familien u. a. Compositionen, um welche 
es sich handelt, sind zum Theil naiv bis ins Genrehafte. Allein es
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.