Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048680
S58 
Malerei des XVI. Jahrhunderts. 
a Im Dom von Siena ist das Glasgemälde des grossen vordem 
Rundfensters  ein Abendmahl  von Pastorino Miccheli 1549 
nach einer etwas manierirten und wiederum für diese Gattung wenig 
passenden Composition des Perin del Vage ausgeführt. 
Im Grunde passte die ganze Gattung von jeher sehr wenig zu 
dem überwiegenden Interesse, welches in Italien der kirchlichen Fresco- 
und Tafelmalerei zugewandt war; sie hat auch in der Regel den Cha- 
rakter einer Luxuszuthat. -In den oben (S. 289) erwähnten Fenstern 
die dem Giovanni da Udine zugeschrieben werden, handelt es 
sich endlich nur um Arabesken, welche den (lecorativen Eindruck 
eines Raumes zu vervollständigen bestimmt sind. 
w 
Nicht auf Anregung irgend eines äusseru Vorbildes, z. B. nicht auf 
genauere Nachahmung des Alterthums hin, sondern aus eigenen Kräf- 
ten erstieg die Kunst seit dem Ende des XV. Jahrh. die höchste Stufe, 
die zu erreichen ihr beschieden War. Mitten aus dem Studium des 
Lebens und des Charakters, welches die Aufgabe dieses Jahrhunderts 
gewesen war, erhebt sich neugeboren die vollendete Schönheit. Nicht 
mehr als blosse Andeutung und Absicht, sondern als Erfüllung tritt 
sie uns entgegen; erst als die Malerei des XV. Jahrh. jeder Lebens- 
äusserung gewachsen war, da schuf sie, vereinfacht und unendlich 
bereichert zugleich, auch dieses höchste Leben. 
Da. und dort taucht es auf, unerwartet, strahlenweise, nicht als 
blosse Frucht eines consequenten Strebens, sondern als Gabe des Him- 
mels. Die Zeit war gekommen. Aus den tausend als darstellbar er- 
wiesenen Elementen, aus der Breite des Lebens, welche von ltlasaecio 
bis auf Signorelli das Gebiet der Kunst ausgemacht hatte, aus Zeit und 
Natur sammeln die grossen Meister das Ewige zu unvergänglichen 
Kunstwerken, Jeder in seiner Art, so dass das eine Schöne das an- 
dere nieht ausschliesst, sondern Alles zusammen eine vielgestaltige 
Oifenbarung des Höchsten bildet. Es ist wohl nur eine kurze Zeit 
der vollen Blüthe, und auch während derselben dauert die Thatigkeit 
der Zurückgebliebenen fort, unter welchen wir tüchtige und selbst
        

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