Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048667
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Glasmalerei. 
Perugia (1411) wird ein gewisser Fra. Bartolommeo namhaft 
gemacht; eine Reihe Geschichten und vier Reihen Heilige, von ziem- 
lich allgemeinem Styl. Von einem in Lübeck erzogenen 'l'oscaner, 
dem Francesco di Livi aus Gambassi (bei Volterra) rührt ein 
agrosser Theil der Glasmalereien im Dom von Florenz her (seit 
1436); die meisten aber Werden dem berühmten Erzgiesser Lorenzo 
1, Ghiberti zugeschrieben, so namentlich die der drei vordern Rund- 
fenster. Weder die einen noch die andern machen irgend einen be- 
deutenden, zwingenden Eindruck. Viel eigenthümlicher ist die Kreuz- 
cabnahme im vordern Rundfenster von S. Croce, angeblich ebenfalls 
von Ghiberti. 
Ein höheres Interesse gewinnen die Glasgemälde erst von der 
Zeit an, da der grosse italienische Realismus des XV. Jahrh. auch 
sie durchdringt; fortan unterscheiden sie sich von den gleichzeitigen 
nordischen nicht nur durch den Styl der Zeichnung und Auifassung, 
sondern auch indem sie freier den decorativen Zwecken dienen und 
zugleich viel mehr eigentliche Gemälde von abgeschlossener Bedeu- 
tung sein wollen als im Norden. 
Aus deutschem und italienischem Realismus mischte sich der Styl 
des seligen Prediger-Laienbruders Jacob von Ulm (1407 -1491), 
dwelcher in S. Petronio zu Bologna das prächtige Fenster der 4. Cap. 
rechts verfertigte (und vielleicht auch dasjenige der 4. Oap. links unter 
seiner Leitung entstehen sah). Von den übrigen Fenstern dieser Kirche 
ist dasjenige der 7. Cap. links (Cap. Bacciocchi) vorzüglich schön nach 
dem energischen Entwurf des Lorenzo Costa gearbeitet; von ähn- 
lichem Styl das der 5. Cap. links. Für dasjenige der 9. Cap. rechts 
nimmt man einen Entwurf Michelangelds an; die Motive der ein- 
zelnen Heiligen erinnern aber ganz direct an Bandinellfs Relieffiguren 
der Florentiner Chorschranken (S. 680, d) 5 die Ausführung sehr reich- 
farbig für diese späte Zeit.  Von Costa rührt in Bologna wohl ohne 
eZweifel auch das Rundfenster von S. Giovanni in monte her. (Jo- 
hannes auf Pathmos; die Nebenfenster geringer.)  In S. Giovanni 
fe Paolo zu Venedig gilt das grosse Fenster des rechten Quer- 
schiifes als Composition des Bartol. Vivarini, ich weise nicht mit 
welcher Sicherheit. (Die Inschrift ist modern; die obere Figurenreihe 
eher von Vßs Styl als die untere.)
        

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