Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048594
Rogier. 
Memling. 
Wohlgemuth. 
Q. Messys. 
849 
Von Deutschen des XV. Jahrh. ist in Italien wenig vorhan- 
den. Ihre Werke boten gerade das was man an den Flandrern am 
meisten bewunderte, nur unvollkommen, nur aus zweiter Hand dar, 
nämlich die feine, prächtige Vollendung, die Farhengluth, das Welt- 
bild im Kleinen. Doch giebt es im Museum von Neapel mehrere (jetzt a 
getrennte) Flügelbilder, u. a. Anbetungen der Könige, deren eine von 
Michel Wohlgemuth herriihrt. Es ist etwas Riihrendes um diese 
blonden, haltungslosen Gesellen in ihrem königlichen Putz, wenn man 
sich dabei an das entschiedene Wollen und Können der gleichzeitigen 
Italiener erinnert. Eine besondere Andacht sind wir aber der deut- 
schen Schule des XV. Jahrh. doch nicht schuldig. Sie verharrte bei 
ihren Mängeln mit einer Seelenruhe, die nicht ganz ehrlich gewesen 
sein kann. Da es ihr zu unbequem war, das Geistige im Leiblichen, 
die Seelenäusserung in der Körperbewegung darstellen zu lernen, so 
ergab sich ein grosser Überschuss an unverwendbarer Phantasie, die 
sich dann auf das Verzwickte und Verwunderliche warf. Man sieht 
z. B. in den Uffizicn eine Auferweckung des Lazarus mit Seitenbildernb 
und (bessern) Aussenbildern, datirt 1461, von einem Nicol. Fru- 
menti, in welchem irgend ein Meister Korn aus der Umgebung der 
Colmarer Schule zu vermuthen ist. Wer gab nun diesem (gar nicht 
ungeschickten) Maler das Recht zu seinen abscheulichen Grimassen? 
Die Lebenszeit Diirers und Holbcins, die den festen und grossen Wil- 
len zu Gunsten der Wahrheit hatten, ging dann besserntheils mit dem 
Kampf gegen solche und ähnliche Manieren dahin.  
Es ist Zeit zu diesen grossen Meistern vom Anfang des XVI. 
Jahrh. überzugehen. Italien besitzt auch aus dieser Zeit der nordi- 
schen Kunst beträchtliche Schütze. 
Zunächst von dem bedeutendsten niederländischen Meister um 
1500, Quentin Messys. In S. Donato zu Genua (zu Anfang desc 
linken Seitenschiifes) eins seiner Capitalwerke: reiche Anbetung der 
Könige, auf den Seitenilügeln S. Stephan mit einem Donator und S. 
Magdalena, mit landschaftlichem Hintergrund in der Art Pateniefs. 
Hier wie bei Messys überhaupt löst sich die Strenge der alten Nie- 
derländer in eine milde Anmuth der Ziige und der Bewegimg auf; 
die Köpfe, wie von einem Bann erlöst, blass, mit dem Lächeln der 
Genesung; die Farben, befreit von dem Crystallglanz der Frühern, 
B. Cicerone. 54
        

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