Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048518
Bologna. 
Franc. Prancia. und Schule. 
841 
spielenden Engel, vom Jahre 1490 (Pinaooteca von Bologna) das ama 
meisten perugineske von allen seinen Werken; herrlich gemalt und 
von derjenigen Innigkeit des zum Theil ekstatischen Ausdruckes, 
welche dem Pietro selber nur in seiner besten mittlern Zeit eigen ist. 
Auch eine Verkündigung mit zwei Heiligen (ebenda) gehört wohl in 
diese Epoche. (Die thronende Madonna zwischen zwei Hallen mit vier 
Heiligen, sowie die Anbetung des Kindes mit Heiligen und Donatoren, 
ebenda, sind wohl spätere Bilder.) Auch später noch scheint er be- 
ständig auf Pcrugino hingeblickt zu haben. 
Durch seine Verbindung mit Lorenzo Costa aber (S. 814) 
kam ein merkwürdig gemischter Styl zum Vorschein , welchen sich 
auch seine Schüler, darunter G iulio, sein Vetter und G iacomo, sein 
Sohn, sowie Amico Aspcrtini, aneigneten. Der gesunde, biswei- 
len selbst derbe Realismus, welchen hauptsächlich Costa vertrat und 
welcher auch in Francia selber von Hause aus vorhanden war, steht 
in einem beständigen Confiict mit der umbrischen Sentimentalität. 
Diese, auf kräftige, herbere Bildungen über-getragen, nimmt jenen wun- 
derlichen Ausdruck des "Gekrünktseins" an. Hauptsächlich die weib- 
lichen Heiligen und die Madonnen scheinen nunmehr dem Beschauer 
einen Vorwurf darüber zu machen, dass er die Unbescheidenheit hat, 
sie anzusehen. Doch geht Franc-in. nicht bis in das verhimmelte 
Schmachten hinauf. Überhaupt bleibt in ihm viel mehr Frisches, selbst 
Ritterliches als in dem spiitern Perugino; er zeichnete sorgsamer und 
stellte nicht bloss seine Figuren freier und weniger conventioncll, s0n-' 
dern wusste sie auch lebendig zu gruppiren, obwohl sein Liniengefühl 
ziemlich unentwickelt blieb. Die Gewandimg ist vollends bei ihm 
fast immer lebendig und für jede Gestalt neu empfunden. Als alter 
Ostlombarde hat er Freude nicht an dem bloss ornamentalen Reich- 
thum, sondern an der reellen Erscheinung und Modellirung der Trach- 
ten, Rüstungen, Ornate etc. Er konnte und rvollte in diesen Din- 
gen nicht mehr hinter Mantegna zurückgehen. Freilich ist die Er- 
zählung, das Geschehen überhaupt, nicht seine starke Seite. 
Sein allerschönstes Werk in Bologna ist Wohl das Altarblatt in), 
der Cap. Bentivoglio zu S. Giacomo maggiore. Von den Engeln, 
welche die Madonna umgeben, sind die ihr nächsten höchst liebens- 
würdig, unter den Heiligen aber ist der S. Sebastian eine der voll-
        

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