Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1048450
Pietro Perugino. 
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Wendigkeit oder Berechtigung haben?  Bisweilen überzeugter; in 
den meisten Fällen abegmaeht er uns eine ganz zweck- und ziellose 
Rührung vor i).  Warum ist diess bei Fiesole anders? Weil eine 
starke persönliche Überzeugung dazwisehentritt, die ihn nöthigt, den 
höchsten Ausdruck immer so stark zu wiederholen, als er es irgend 
vermag.  Warum ist bei den Robbia der Ausdruck immer frisch 
und liebenswürdig? weil sie den Aifect bei Seite lassen und im Be- 
reich einer schönen Stimmung bleiben.  Was nähert den Perugino 
einem Carlo Dolci? dass Beide einen wesentlich subjectiven, momen- 
tanen, also nur für einmal gültigen Ausdruck perpetiziren. 
Wir nennen nur die wichtigem seiner spätem Bilder. 
In der vatiean. Galerie: Die Madonna mit den vier Heiligen, viel- 1 
leicht noch aus der schönen mittlern Zeit; die Auferstehung, grossen- 
theils von Rafael ausgeführt. 
Im Dom von Spello, links: eine (bezeichnete) Pietä; der Ausdruckb 
zumal im Johannes rein und schön hingehaueht. 
In Perugia: Die Fresken in den beiden Räumen des sog. Cam-c 
bio, um 1500 von P. mit Hülfe des Ingegno gemalt, bei grosser Schön- 
heit und Sorgfalt der Behandlung ein durchaus bezeichnendes Werk 
für Pfs Ansicht von Geschmack der Peruginer; Nebeneinanderstellung 
isolirter Gestalten auf derselben Linie, Gleichartigkeit des Charakters 
1) Wir lassen die Frage ganz aus dem Spiel, ob Pietro selber jemals so ge- 
fühlt hat wie seine Gestalten fühlen. Sie ist eine ganz unstatthafte und he- 
einträchligt die ewigen Rechte der Poesie. Auch als Atheist, wofür Vasari 
ihn ausgiebt  trotz des Schriftröllchens mit dem „Timete Deum" auf sei-  
nem Porträt in den Uflizien  hätte Pietro seine Ekstasen malen dürfen und; 
sie könnten ganz wahr und gross sein; nur hätte ihn dabei eine innere poe- 
tische Nöthignng bestimmen müssen. (Über die "Gesinnung" des Künstlers 
und Dichters cursiren mancherlei unklare Begriffe, wonach dieselbe z. B. da- 
rin hestände, dass derselbe unaufhörlich sein Ilerz auf der Zunge trüge und 
in jedem Werk möglichst vollständige Programme seines individuellen Den- 
kens nnd Fiihlens von sich gäbe. Er hat aber alsliünstler und Dichter 
gar keine andere Gesinnung nöthig als die sehr starke, welche dazu gehört, 
um seinem Werk die grösstmögliche Vollkommenheit zu geben. Seine son- 
stigen religiösen, sittlichen nnd politischen Überzeugungen sind seine persön- 
liche Sache. Sie werden hie und da in seine Werke hineinklingen, aber nicht 
deren Grundlage ausmachen.) 
  saß
        

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