Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Malerei (Nebst Register über alle drei Theile)
Person:
Burckhardt, Jacob
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047000
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1047274
Vasen.  717 
rechte Rinnen, die sich dann mit der Ausbauchung des Gefässes in 
reichern Schmuck verwandeln. Die Bänder zwischen, unter und über 
den figürlichen Darstellungen bestehen theils wieder aus wellenförmi- 
gen Blumen, theils aus Mäandern, theils auch aus Reihen von Muscheln 
n. dgl. Die untere Zusammenziehung der Vase wird etwa durch spitz 
auslaufendes Blattwerk noch mehr verdeutlicht. Der Fuss ist, wie 
billig, schmucklos. 
Diess sind scheinbar nur Nebensachen, allein sie zeigen, dass es 
sich um eine Vase und nicht um ein_ beliebiges Prunkstück handelt, was 
man bei den kostbarsten Porcellanvasen von Sevres oft vergessen muss. 
Man sollte denken, die Thonmaler hätten sich es wenigstens bei 
diesen Zierrathen bequem gemacht und durch Schablonen gemalt. 
Allein der erste Blick wird zeigen, dass die leichteste, sicherste Hand 
Alles frei hingezaubert hat, wesshalb es denn auch nicht an einzelnen 
krummen Linien u. dgl. fehlt. 
Ebenso ist es mit den Figuren. Der Maler konnte sie zum Theil 
als Gemeingut der griechischen Kunst auswendig, zum Theil erfand 
und eomponirte er sie fiir die besondere Darstellung. Grosse Künst- 
ler gaben sich mit dieser Gattung gar nicht ab; es ist ein mittlerer 
und selbst geringer Durchschnitt des unendlichen griechischen Kunst- 
vermögens, der sich hier zu erkennen giebt. Und doch selbst bei 
diesen so iiusserst beschränkten Mitteln, diesen zwei, höchstens drei 
Farben so viel Bewundernswerthes! 
Wir scheiden zunächst eine ältere Gattung, diejenige mit s chwar- 
zen Figuren auf rothem Grunde aus. Ihr Stylist bei grosser 
Zierlichkeit noch ein befangener und entspricht mehr oder weniger 
dem altern griechischen Sculpturstyl (S. 414 u. Hi). 
Die Vasen der reifern (und was Apulien betrifft, auch wohl der 
sinkenden) Kunst sind die, welche (ansgesparte) röthliche Figu- 
ren auf (aufgemaltem) schwarzem Grunde zeigen. Mit diesen, 
auch an Zahl überwiegenden haben wir es hauptsächlich zu thun. 
Die Darstellungen, welche sie in einer, zwei, bis drei-Reihen von 
Figuren, an den Schalen auf der Unterseite rings um den Fuss, auch 
innen in der Mitte enthalten, sind zum Theil der Gegenstand einer 
sehr ausgedehnten gelehrten Forschung. Die seltensten Mythen, die 
kein Relief und kein pompejanisches Gemälde darstellt, kommen hier
        

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